Rügen, Kreidebruch

 

Kreideweiß

von Christoph M Frisch, 2010

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Das Bild von Rügen ist unwiderruflich mit der Kreide verbunden.  In der Kunst hat uns der Maler Caspar David Friedrich mit seinem Gemälde "Kreidefelsen auf Rügen" 1818 einen dauerhaften Eindruck dieser Insel hinterlassen. Auch der heutige Besucher kann sich der Faszination der aus dem Meer steigenden hellen Küste nicht entziehen.  In geologischen Dimensionen betrachtet,  verändert sich dieses Bild jedoch rasch. Wind und Wasser lösen permanent große Teile aus der Steilküste, das Meer schluckt das herabgestürzte Gestein und spült es mit sich fort. Übrig bleiben Strände überhäuft mit schwarzen Flintsteinknollen. Es ist kaum ein größerer farblicher Kontrast zur weißen Kreide denkbar. Und doch bildete eine Laune der Natur aus Kieselalgen- und Schwämmen das Ursprungsmaterial der Flintsteine.

 

Feuersteine

Flintsteine  -im Volksmund auch Feuersteine genannt - und feines Kreidepulver

 

Ätzen die Naturkräfte von Außen an der Insel, so schürft im Innern der Mensch an den Kreidevorkommen. Seit Jahrhunderten wird hier Kreide abgebaut. Und ihr Einsatz ist von jeher vielfältig. Denn sie findet in vielen Bereichen von Handwerk und Industrie Verwendung.  Kreide zum Kalken der Felder,  gebrannte Kreide (Branntkalk) für Mörtel und Putze. Man benötigt Kreide als Grund für Farben oder als Pigment für eine solche. Kreide wird in der Papierindustrie verarbeitet, man nützt sie zur Herstellung von Schleifmitteln um Metall, Glas oder Edelsteine zu polieren. Auch in den Fahrbahnoberflächen unserer Straßen wird ein Gemisch aus Bitumen und Kreide als Füller eingebracht.  Die Reinigung von Klärschlämmen oder Abwässern aus der Industrie wären ohne Kreide kaum denkbar.

Ein solch großer Bedarf erklärt auch den Boom auf das Material zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch Kreide findet schon seit viel längerer Zeit Verwendung, - auch auf Rügen. 1720 loderte ein erster Ofen zum Brennen von Arbeiter_AbbauhangBranntkalk bei Binz. Einhundert Jahre später wurde in Greifswald eine Fabrik errichtet die die Rügener Kreide industriell zu Schlämmkreide verarbeitete. Schon 1845 entstand auf Rügen in Krampas bei Sassnitz die erste Fabrik, die das auf der Insel gewonnene Material direkt verarbeiten konnte. Einundzwanzig Jahre später waren es schon zehn Werke deren Ausstoß über die Häfen von Martinshafen, Polchow und Sassnitz direkt verschifft wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verarbeiteten 26 Schlämmkreide- fabriken Material das man in 30 Kreidebrüchen förderte. So gelangten z. B. 1928 aus den Jasmunder Brüchen 500.000 t Rohkreide, sowie 80.000 t Schlämmkreide zum Verladen in die Häfen. Nach dem 2. Weltkrieg existierten kurzfristig noch 19 Fabriken, die aber mit der Gründung der DDR verstaatlicht und geschlossen wurden. Allein in Klementelvitz mit den VEB Kreidewerken Rügen und dem Bruch Wittenfelde wurde weiter abgebaut und produziert. An gleicher Stelle produziert auch heute noch die nach der deutschen Vereinigung gegündete Kreidewerk Rügen GmbH.

Abbau und Verarbeitung der Kreide waren in der Vergangenheit mit einem hohen Aufwand an körperlicher Arbeit verbunden. In steilen Abbruchwänden wurde mit Spitzhacken das Material geschlagen und mit Loren zu den Rührwerken gefahren.

 Dort konnte dann in großen Bottichen mithilfe von Wasser und Bewegung, das grobe Feuersteinmaterial von der aufgeschlämmten Kreide getrennt werden. Diese floss als Kreidetrübe über Rinnen zu Absetzbecken. Nach dem man das geklärte Wasser abgezogen hatte, blieb eine Lage von 30 cm. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt bis man eine Schicht von eineinhalb Metern zustande gebracht hatte. Das verdichtete Material hob man aus den Becken und fuhr es mit Schubkarren zu den in der Nähe des Abbauortes errichteten Trockenschuppen. In schaufelgroße Stücken geformt, trocknete die Rohkreide dort, mehrmals umgeschichtet, bis eine Restfeuchte von fünf Prozent erreicht war. Erst danach schickte man die Kreide auf die Reise zur Weiterverarbeitung. Die Maschinenunterstützung war bei diesen Arbeiten vernachlässigbar gering. Fast alles musste in anstrengender Handarbeit geleistet werden.

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 "Die Trommel" - Altes mobiles Schlämmgerät in einem aufgelassenen Kreidebruch bei Klementelvitz in der Nähe von Sassnitz. Daneben modernes Gerät in einem aktiven Bruch.

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                                               Ostseepanorama mit Rohkreidehalde und  Feldern


Die vom Übertageabbau zurückgelassenen Gelände erobert sich die Natur recht schnell wieder zurück. Gefüllt mit Wasser, wie hier in der Aufnahme eines aufgelassenen Kreidebruchs bei Klementelvitz, ergeben sich ganz zauberhafte Ansichten. Hervorgerufen durch die hellen Gründe unter der Wasseroberfläche spiegelt sich das nördliche Blau des Himmels in einem karibischen Flair.


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Im Bruch bei Klementelvitz Im Bruch bei Klementelvitz

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