Frankreich, Guadeloupe, Destillerie

Rumdestillerie auf Guadeloupe
Text: Christoph M Frisch, Fotografie: Rahel Frisch, 2014

 

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Rum
Geschichte
 
 
In Europa war Rum zwar schon seit Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. Mit der Eroberung Granadas kamen die Europäer erstmals mit dem Getränk in Berührung. Zuckerrohr, aus dem die Araber die Melasse herstellten, kannte man jedoch noch nicht.

Mit der Besiedelung des amerikanischen Kontinents gelangte auch Zuckerrohr in diesen Teil der Welt. Die Idee daraus ein alkoholisches Getränk zu destillieren ließ nicht lange auf sich warten. Um 1650 fand Rum erstmals urkundliche Erwähnung. Er wurde dort noch „Rumbullion“ benannt.


 
Vierer

Anlieferung und Häckseln des Zuckerrohrs

Herstellung
Ein Gemisch aus gehäckseltem Zuckerrohr, Zuckerrohrsaft und Wasser ergibt die Maische. Diese wird fermentiert und dadurch zur Gärung gebracht. Diesen schwach alkohlischen Zuckerwein destilliert man und erhält daraus ein Destillat mit einem Alkoholgehalt von 65% bis 75%. Zugesetzt und verdünnt mit destilliertem Wasser erhält man weißen Rum. Um dessen Qualität zu verbessern, lagert man diesen heute noch einige Zeit in Edelstahlfässern. Die Farbe des braunen Rums entsteht durch das Zusetzen von Zuckercouleur oder Karamelsirup. Er gilt als aromatischer als weißer Rum. Um dem Rum eine eigene zusätzliche Geschmacksnote zu verleihen, lagert man ihn bisweilen auch in Holzfässern, in denen zuvor Bourbon-Whiskey, Bordeaus-Wein oder Cognac gelagert wurde.

 
Eine Besonderheit ist der Rhum agricole. So wird Rum genannt, der auf den französischen Antillen hergestellt wird. Er unterscheidet sich von normalem Rum vorrangig durch seine Herstellung aus frischem Zuckerrohrsaft. Die unten zu sehende Grafik der Destillerie Damoiseau zeigt dieses Verfahren.


 
 
 
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 Schematische Darstellung des Herstellungsprozesses




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Fermentierung




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In der Destillerie Damoiseau geht es farbenfroh zu.
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Die Aufnahmen zu diesem Artikel entstanden in der Destillerie Damoiseau auf Guadeloupe

 

 

 

Guadeloupe

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Geschichte

Erste Artefakte, die auf menschliche Zivilisation hinweisen, datieren aus der Zeit um 3500 v. Chr. Saladoiden, auch Arawak genannt, besiedelten die Antillen. Ihnen folgten in der Zeit um 600 n. Chr. die Kariben. Beide Ethnien fanden den Weg vom südamerikanischen Kontinent auf die Inseln.
 
Auf seiner zweiten Reise betrat Christoph Kolumbus 1493 als erste Europäer die Insel. Er benannte sie, nach einem zuvor in Spanien vergebenen Versprechen, Guadalupe. (Nach dem Wallfahrtsort Nuestra Señora de Guadalupe). Der Besiedelung durch die Europäer stand ein erbitterter und dauerhafter Widerstand der Urbevölkerung entgegen. Erst 1635 kolonisierten die Franzosen die Insel, und dies auch erst, als sie die Kariben auf die Nachbarinsel Dominica deportiert hatten. Die von den Kolonialherren eingeführte Plantagenwirtschaft (Kaffee und Zuckerrohr) benötigte jedoch viele Arbeitskräfte. Dazu verschleppte man Afrikaner und brachte sie als Sklaven auf die Insel.

Während der Auseinandersetzungen mit Großbritannien im siebenjährigen Krieg, verlor Frankreich erstmals kurzfristig (1759 – 1763) die Herrschaft über Guadeloupe. Mit der Abschaffung der Sklaverei durch die französische Revolution, fand sich eine Allianz von Plantagenbesitzern und englischen Truppen, die die Insel 1794 besetzten. So wollte man die Umsetzung der Deklaration gegen die Sklaverei verhindern. Französischen Truppen gelang es jedoch, die englischen Besatzer von der Insel zu vertreiben.

1802, unter Napoleon, führte man die Sklaverei wieder ein. Auch heftiger Widerstand der Betroffenen konnte daran nichts ändern. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Die Engländer eroberten jedoch im Verlauf der Napoleonischen Kriege die Insel erneut und traten sie aus Kompensationsgründen 1813 an Schweden ab. Diese gaben sie im Frieden von Paris 1814 gegen eine Zahlung von 24 Millionen Francs wieder an Frankreich zurück.

1843 wurde die Sklaverei endgültig abgeschafft. Die ehemaligen Sklaven waren nun nicht mehr bereit weiter auf den Plantagen zu arbeiten. Die Landbesitzer ließen deshalb, vor allem aus China und Indien, vermehrt Arbeiter, die sogenannten Koolies, anwerben. So gelangten in den Jahren 1854 bis1889 allein 42.000 Inder nach Guadeloupe.



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 Die nunmehr teuren Arbeitskräfte, aber auch eine zunehmende Konkurrenz durch den europäischen Zuckerrübenanbau, verursachten eine Wirtschaftskrise und trieben viele Plantagenbesitzer in den Ruin. Ihre Besitzungen übernahmen ausländische Firmen. Um jedoch die Abhängigkeit der Wirtschaft vom immer noch dominierenden Zuckeranbau zu lösen, begann man nach dem 2. Weltkrieg vermehrt den Anbau von Reis und Bananen zu fördern. Im Export dominierten jedoch weiterhin Zucker und Rum.

1946 wurde Guadeloupe zu einem französischen Überseedepartement und ist seither allen anderen französischen Departements gleichgestellt und Teil der europäischen Union.
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wenn nicht anders benannt: Rahel Frisch © 2014