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Das Erbe - Ein Kommentar

 

Das Erbe

Ein Kommentar zu der Ausstellung in der ehemaligem Waschkaue des Bergwerkes Reden.
von Christoph M Frisch, 2013

Das_Erbe_Raum_Foto_Christoph_M_Frisch

 
Die Frage, was bleibt, wenn eine Region eine Industrie verliert, die √ľber ein Jahrhundert diese gestaltet, gepr√§gt und auch das Bewusstsein seiner Bev√∂lkerung bestimmt hat, kann eine Ausstellung allein sicherlich nicht beantworten. Trotzdem sehen wir in Reden etwas, was diesem Standort gut tut, diesem selbst nun Anspruch und zuk√ľnftige Daseinsberechtigung verleihen k√∂nnte: Eine Ausstellung innerhalb des historischen Ensembles, die Anstrengungen belohnend, mehr als ein Jahrzehnt Sanierung und Infrastruktur geschaffen zu haben, auf denen sich nun aufbauen l√§s

War es im letzten Jahr die Wasserwelt, der ‚ÄěGarten Reden‚Äú, kommt nun die Visualisierung des Vergangenen in der ehemaligen Waschkaue des Bergwerks zum Tragen. Wenig Zeit hat man dem Schweizer Ausstellungsmacher Prof. J√ľrgen Steiner gegeben dieses Projekt umzusetzen. So scheint es kaum verwunderlich, dass sich die Veranstaltung letztlich mehr den Hinterlassenschaften (ca 800 Exponate), dieser nun dem Untergang beschlossenen Industriewelt widmet, als den Menschen, die sie getragen, gelebt und vielfach auch erlitten haben. Zu komplex w√§re der Themenbogen f√ľr solch ein Unterfangen. Und doch w√ľnschte man sich hie und da etwas mehr Einblick in Lebenswirklichkeiten, die von Daseinskampf und Mangel gepr√§gt waren, wie man dies einer jetzt heranwachsenden Generation gar nicht so einfach weitervermitteln kann.

Die Ausstellung streift all das kurz. Ein Aufblitzen im Labyrinth gl√§serner Vitrinen, die man - ein eigenes Raumerlebnis - √ľber Stege und Rampen queren und √ľber zwei an den Kopfseiten des Raumes angebrachte B√ľhnen als Ganzes √ľberblicken kann. Eine edle Dunkelheit in der halogengespeiste Lichter sich vielfach im Glas widerspiegeln und deren die Ausstellung dominierende Transparenz so gar nichts mit der dunklen, undurchsichtigen, staub- und l√§rmgeschw√§ngerten Welt der Bergleute gemein hat. Es sei denn, man strebt nach einer metaphysischen Erh√∂hung, transzendiert das Thema f√ľr einen zuk√ľnftigen Mythos. Berg, Stein, lichtlose Tiefe, Bedrohung und die Bew√§ltigung derselben, beinhalten diese Symbolik. Die in Bergmannskalendern abgedruckten Sagen und Legenden in regalf√ľllender Sammlung √ľber Jahrzehnte aufgelegt, k√ľnden von dieser Untertagewelt, die sich nicht allein in der Abdeckung des immer gr√∂√üer werdenden Energiebedarfs einer modernen Gesellschaft, ihre Antworten gab.

Brauchtum und Religion, das soziale Miteinander ‚Äď oft die gemeinsame Not ‚Äď die Gier einer Industriegesellschaft, deren K√∂pfe sich selbst Vieles, den Werkt√§tigen nur das N√∂tigste zubilligte, all das sind Themen die die Ausstellungsmacher streifen, deren Komplexit√§t aber, das muss man sich zugestehen, in einer solchen Veranstaltung nur ungen√ľgend dargestellt werden kann.

Zu kurz und symbolisch im Ausstellungsraum an den Rand ger√ľckt, kommt auch das leider viel zu gering im Saarland wahrgenomme Thema der Zwangsarbeit, das sich gerade auch in den Bergwerken, im zwangsl√§ufigen, aber auch kalkulierten Miteinander, hiesiger und versklavter Arbeiter ergab. Die Geschichte des Bergwerkes Reden ist unweigerlich mit den Schrecken und Qualen der nationalsozialistischen Ideologie, ihren Rassevorstellungen und dem Umgang mit diesen verbunden. Als verlockendes Pr√§sent f√ľr den Anschluss an das deutsche Reich, als eines der modernsten und leistungsf√§higsten Bergwerke von den Nationalsozialisten gepuscht, ist dies eine Kategorie, der man ebenfalls etwas mehr Gewicht im Ausstellungsgef√ľge gew√ľnscht h√§tte.

Das fragw√ľrdige Arbeiterheldenbild vor ‚Äď und die zierenden Hakenkreuzmosaike √ľber dem Haupteingang, bleiben unkommentiert. Verweise auf das nahe gelegene Zwangsarbeiterlager Emsenbrunnen fehlen ebenso. In der Ausstellung l√§uft zu diesem Thema eine Dokumentation der engagierten Filmemacherin und Autorin Inge Plettenberg. Leider kann man diesem, wie auch weiteren gesprochener Beitr√§gen, bei dem durch die Besucher erzeugten L√§rmpegel kaum folgen.

Wie anfangs erw√§hnt, sollte man dieses Projekt als Auftakt verstehen, als Grundlage, auf der man am Standort weiter aufbauen kann. Ein Wunsch, dass man auch an dieser Pr√§sentation noch etwas feilt und sie rundum mit Zus√§tzen versieht, Teilbereiche herausnimmt und inhaltlich st√§rker gewichtet. ‚ÄěDas Erbe‚Äú hat im Kontext zu seinem Standort eine weitaus vielversprechendere, auch in der Zukunft noch funktioniernde Legitimationsbasis, als man dies mit recht sinnfreien ‚Äď aber quotentr√§chtigen - Veranstaltungen wie der SR3 Alm oder mit Plastikdinosauriern gef√ľllten Hallen, vor Ort besitzt.

 

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N√ľtzliche Informationen f√ľr einen Ausstellungsbesuch finden Sie hier.

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Alle Fotografien dieses Beitrages: Copyright by Christoph M Frisch © 2013

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