RötelЯeich

Ein Projekt des Kunstzentrums Bosener Mühle e. V. | 2016

 

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Schlußbild der Performance von Nadija Morenko.                                                        Foto: Christoph M Frisch


Mit der Thematisierung rund um das Mineral Rötel, hat das Kunstzentrum Bosener Mühle (KBM) ein Thema der saarländischen Industriekultur aufgegriffen, das im kollektiven Bewusstsein heute fast nicht mehr präsent ist. Die hiesige Industriegeschichte wurde mehr als ein Jahrhundert lang durch Kohle und Stahl dominiert. Die daraus resultierenden Entwicklungen gaben dem Land ein Profil und den Saarländern Selbstbewusstsein. Innerhalb Deutschlands und über seine Grenzen hinweg wurde mit den Attributen, die diese Geschichte begleiteten, auch so manches Klischee über Land und Leute geprägt.Grubenstandorte sowie der für die Stahlindustrie wichtige Wasserweg der Saar haben einerseits das Land geografisch, durch den hohen Bedarf an Arbeitskräften aber auch in seinen sozialen Strukturen gewichtet. Dem nördlichen Teil des Landes verblieb mehr oder weniger die Agrarwirtschaft und ein nicht unerhebliches Kontingent an Pendlern. Diese erarbeiteten sich ihren Lohn in den Kohle fördernden sowie Stahl produzierenden Unternehmen und deren Zulieferern.


Diese Industriegeschichte hatte ihre Anfänge jedoch nicht im Saartal, sondern im verhangenen Schatten des Hochwaldes. Heute bezeugen Ortsnamen wie Mariahütte oder Züscher Hammer, dass hier nicht immer nur das heutige Idyll verträumter Natur zu finden war.


Ein kleiner, aber mit Alleinstellungsmerkmalen beseelter Teil der saarländischen Industriegeschichte geht aber weder mit Kohle noch mit Eisen daher. Er ist dem Amalgam vom Werden und Vergehen organischen Lebens ebenso geschuldet, wie dem feurigen Auswurf hiesiger Vulkane und dem Wasser eines großen Sees, in dessen trüben Tiefen vor 250 Millionen Jahren die Geschichte des Rötels ihren Anfang nahm.


Für das vorindustrielle Zeitalter, aber auch schon weit davor, war Rötel ein nachgefragter Rohstoff, der schwerpunktmäßig im Schiffbau und dort bei der Isolierung des Holzes Anwendung fand. Wir kennen den Rötel heute vor allem noch als Farbmittel. Kreide und Pigment wurden in der Tat schon seit den allerersten Versuchen der Menschen eingesetzt, sich Göttern und Menschen mitzuteilen, diese zu beschwören oder jene fern zu halten. Die Auswahl an haltbaren Farbkörpern war lange auf Holzkohle und wenige Mineralien begrenzt. Letztere fanden sich auch nicht überall, sondern waren regional begrenzt. Dieser Umstand bedeutete jedoch für jene, die Zugang und Abbaumöglichkeiten hatten, mit dem Rohstoff zu handeln und eine Erwerbsquelle für sich zu nutzen. Dies war in einer Zeit, die manchen in seinem Leben selten bis nie über die eigene Dorfgemarkung hinaus brachte, eine Option zum Reisen.

 

Schon in römischen Zeiten gab es im Schaumberger Land Manufakturen zur Herstellung von Rötelstiften und Pigment. Bezeichnenderweise lagen diese in der Nähe großer Handelstraßen. Nach Mainz, Metz und Trier und sicherlich noch viel tiefer ins römische Imperium wurde der hier gefundene Rohstoffsowie daraus hergestellte Produkte verbracht. Später agierende Händler brachten ihre Ware bis zu den Umschlagplätzen an Mittelmeer, Nord- und Ostsee.


Mit diesem Potenzial an erzählenswerten Fakten fiel die Entscheidung leicht, innerhalb des Ausstellungsprogramms des KBM, dem Rötel ein Projekt zu widmen. Dieses mit der Perspektive, der Region eine Episode ihrer Geschichte wieder zurück zu geben. In Zeiten medialer Vernetzung und deren Möglichkeiten in jedem Winkel des Planeten an Bilder und Informationen zu kommen, ist die eigene Region ab und an ein blinder Fleck. Im Zentrum der Ausstellungs-Konzeption stand die Vermittlung an eine Altersgruppe von Dritt- und Viertklässlern. Um deren Kern wurde der Ausstellungskomplex so aufgebaut und erweitert, dass er auch für erwachsene Besucher ansprechend blieb. Neugierde voraus gesetzt.


Partner bei der Entwicklung, Planung und Umsetzung  waren neben dem BildungsNetzwerk St. Wendeler Land, auch Künstlerinnen und Künstler sowie Mitglieder des KBM e. V. Kreativer Impulsgeber und mit viel Herzblut in diesem Projekt unterwegs war mein Mitkurator Edgar Brück, ohne dessen Engagement und Wissen, ohne seine Vernetzung mit Menschen und Möglichkeiten den Rötel betreffend dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre. Ihnen allen, den Unterstützern, Sponsoren sowie den vielen Besuchern ist es zu verdanken, dass am Bostalsee ein Tor ins Röteleich geönet wurde.


Christoph M Frisch
1. Vorsitzender des KBM e. V.

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Dieses Projekt ist in einem Katalog zusammen gefasst.
Das Kunstzentrum Bosener Mühle bietet kostenlos eine PDF-Version auf seinen Seiten an:
Rötelreich-Katalog

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Blick in die Ausstellung im Kunstzentrum Bosener Mühle                                                     Foto: Christoph M Frisch

 

 

016 Roetelwald Pingen
Der "Rötelwald" bei Theley/Saarland. Deutlich sind die Pingen des ehemaligen Abbaugebietes zu erkennen.
Foto: Christoph M Frisch


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Link: Das Projekt auf der Website des Kunstzentrums Bosener Mühle:



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