M e t t l a c h

B a h n h o f s t r a ß e
W e r k s h a l l e   g e g e n ü b e r  d e m   B a h n h o f s g e b ä u d e

Füllhorn
Mosaik (1949) von Frans Masereel (1889-1972)

 

Füllhorn Wandmosaik  Frans MasareelKommt man mit dem Zug in Mettlach an, ist es kaum zu übersehen: das große Wandmosaik an einer Außenwand der Mettlacher Keramikfabrik, unmittelbar gegenüber dem Bahnhofsgebäude.

Der Entwurf stammt von dem international bekannten Holzschneider, Maler und Bühnenbildner Frans Masereel. Nach dem 1. Weltkrieg war er u. a. mit seinem Holzschnittzyklus „Passion eines Menschen" bekannt geworden. Da er ein engagierter, dem Sozialismus nahestehender Künstler war, der mit seinen Arbeiten Stellung bezog gegen Völkerhaß, Gewalt und Unterdrückung, wurden seine Werke während des Dritten Reiches als „entartet" aus den Museen entfernt, seine Bücher verbrannt. Zwischen 1947 und 1951 unterrichtete Masereel an der 1946 gegründeten „Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk" in Saarbrücken. In dieser Zeit entstanden neben einem Fresko in der katholischen Pfarrkirche St. Ursula in Saarbrücken/Scheidt auch Entwürfe für drei Keramikmosaiken, die in den Werkstätten von Villeroy & Boch ausgeführt wurden. Während das Mosaik „Bergmann" für die ehemalige Saarländische Kreditbank in Saarlouis bei späteren Umbauarbeiten zerstört wurde, blieben die „Arbeiterfamilie" im Gebäude der Arbeiterwohlfahrt in Saarbrücken (Hohenzollernstraße) und das Füllhorn in Mettlach erhalten. Letzteres war von Luitwin von Boch in Auftrag gegeben worden.

Dargestellt ist ein aufrechtstehender Arbeiter, der schräg vor seinen Körper ein mächtiges Füllhorn hält, dessen Inhalt - unzählige große und kleine Keramikplatten oder Mosaiksteine - dem Betrachter entgegenfallen. Im Hintergrund wird durch zwei Hallen und einen rauchenden Schlot eine kleine Fabrik angedeutet.

Masereel hat mit dem Füllhorn ein traditionsreiches Symbol der Fruchtbarkeit und des Glücks aus der Antike aufgegriffen und auf das Industriezeitalter übertragen. Nicht die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter oder die launische Schicksalsgöttin Fortuna sind die Glücksbringerinnen, sondern der Mensch, der durch seine Arbeit selbst zum„Schmied seines Glückes" wird. Er ist es, der durch seine Tätigkeit Fülle und Reichtum schafft. Masereel formuliert mit seinem Mosaik eine „ebenso einfache wie einprägsame Botschaft: Arbeit ist Glück, und der Garant für Arbeit ist die Fabrik."1
 
Frans Masereel:
„Ich war immer der Auffassung, daß die Tatsache, daß der Künstler Pinsel und Stift führt, ihn
nicht unbedingt von der Gemeinschaft entfernen, ihn für das menschliche und soziale
Geschehen nicht blind machen müsse. Auch er kann ein Zeuge der Zeit, in der er lebt, sein.
Ich will damit nicht sagen, daß das Werk des Künstlers sich unter allen Umständen  vom Geist
der Zeit beeindrucken lassen müsse. Das bleibt Temperamentsache. Für mich wäre es nicht
anders denkbar."
in: Frans Masereel, Ausstellungskatalog der Galerie am alten See,
hg. v. d. Galerie am alten See, Saarbrücken 1985

 Die Übertragung mythischer Vorstellungen auf das Industriezeitalter hat zur Zeit Masereels in den Künsten schon eine lange Tradition. Der antike Schöpfergott Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte, wird geradezu zum Symbol des neuen Zeitalters, und antike Figuren posieren als Allegorien der Elektrizität auf den Werbeplakaten der Energiegesellschaften. Gemeinsam ist diesen mythischen Variationen der ausgeprägte Fortschrittsoptimismus, der heute, am „Ende" des Industriezeitalters, immer schwerer nachvollziehbar wird.

 1 Wolfgang Koch, Einprägsame Botschaften

Masereels Mosaiken im Saarland, in: Karl-Ludwig Hofmann, Peter Riede (Hg.),
Frans Masereel (1889-1972). Zur Verwirklichung des Traums von einer freien Gesellschaft, Saarbrücken 1989, 231


S
a a r u f e r s t r a ß e

Eugen von Boch
Bildnisbüste (1904) von Ed. Albrecht

Eugen von BochEugen Anton Boch war im 19. Jahrhundert die maßgebliche Unternehmerpersönlichkeit in Mettlach. Er führte die Fayencerie, die sein Vater Jean Frangois Boch in der ehemaligen Benediktinerabtei 1809 gegründet hatte, zu einem Weltunternehmen. 1829 hatte er das väterliche Werk in Mettlach übernommen. Die 1836 vollzogene Fusion der beiden Familienunternehmen Villeroy (Wallerfangen) und Boch (Septfontaine, Mettlach) festigte er durch seine Heirat mit Octavie Villeroy. Boch trat durch sein sozialpolitisches Engagement und zeitweise auch als Bürgermeister von Mettlach und Mitglied des Gemeinderates hervor. Darüber hinaus förderte er die Landwirtschaft und die Viehzucht und war Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Vereins in Rheinpreußen. Im hohen Alter wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben (1892).

 Zur posthumen Würdigung seiner Verdienste stifteten 1904 die Gemeinden Mettlach und Keuchingen eine bronzene Porträtbüste, die auf einen polierten Granitsockel montiert ist. Ausgeführt wurde das Denkmal von dem Berliner Bildhauer Ed. Albrecht, der Guß erfolgte in der Gießerei Martin und Piltzing in Berlin.Das im Originalzustand erhaltene Denkmal steht nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort. Dieser befand sich vor der Parkmauer an der Ecke Saaruferstraße-Bochstraße. Infolge der Saarkanalisierung und einer neuen Verkehrsführung wurde es, nicht gerade vorteilhaft, vor dem rechten Flügel der ehemaligen Benediktinerabtei aufgestellt.
A.S.


B a h n h o f s t r a ß e / G e l ä n d e  der  D R K - K l i n ik

Eugen und Octavie von Boch
Denkmal (1901)

Denkmal_BochAuf die sozialpolitischen Aktivitäten Eugen von Bochs bezieht sich eine klassische Denkmal-Architektur, die sich auf dem Gelände der heutigen DRK-Klinik befindet (Zugang gegenüber dem Bahnhof). Keimzelle der Klinik waren ein werkseigenes Schwesternheim, das 1870 als Schlaf- und Speisehaus gebaut und von den Borromäus-Schwestern geleitet wurde, und zwei Krankenhäuser, ein allgemeines Krankenhaus und ein Krankenhaus ausschließlich für Werksangehörige. Das Denkmal ist in einem hellen Sandstein gearbeitet. In einen Obelisken, der sich über einem reich ornamentierten Sockel erhebt, ist ein marmornes Medaillon mit dem Doppelporträtrelief Eugen von Bochs und seiner Gattin Octavie eingelassen. Das 1901
errichtete Denkmal wurde dem „Gründer und Wohltäter des Schwesternhauses" von den Kindern des Ehepaares gewidmet. Bei der benachbarten neogotischen St. Joseph-Kapelle handelt es sich um eine Privatkapelle der Bochs. Boch ließ sie von Wallerfangen nach Mettlach übertragen und ihre Krypta zur Familiengrabstätte ausbauen.

Die Schaffung repräsentativer Familiengräber außerhalb der kommunalen Friedhofsanlagen gehörte zum typischen Verhaltensrepertoire der großen Unternehmerfamilien an der Saar, die dadurch ihrer herausragenden gesellschaftlichen Stellung Ausdruck gaben.
A.S.

 

 „ S c h l o s s   Z i e g e l b e r g "

Art du Feu
Skulptur (1948) von Rene Collomarini (1904-1985)

 

Art du feu Mettlach

Die Skulptur Art du Feu vor „Schloß Ziegelberg" spielt auf die
Bedeutung des Feuers für die Herstellung keramischer Produkte an. Die allegorische Kalksandsteinskulptur - aus den Flammen steigt eine stilisierte Frauengestalt auf - wurde 1948 von dem französischen Künstler Rene Collomarini (1904-1985) geschaffen und 1986 an ihrem jetzigen Standort aufgestellt. Ursprünglich stand sie im Foyer
der Vertretung von Villeroy & Boch in Paris.
A.S.
















K e r a m i k - M u s e u m  M e t t l a c h  / P a r k

 

Homo Ceramicus Mettlachiensis von Joris van der Mijinsbrugge (1974)

Homo_Ceram






























Tip

Neben den vorgestellten Objekten bietet die „Perle der Saar" weitere Sehenswürdigkeiten:
In der ehemaligen Benediktinerabtei (Baubeginn 1728), einem Hauptwerk des sächsischen Barockbaumeisters Christian Kretzschmar (t 1768), befindet sich heute der Sitz der Hauptverwaltung von Villeroy & Boch. Dort ist auch die „Keravision" untergebracht, die mit einer Multi-Media-Show, Produktarrangements und Demonstrationsarbeitsplätzen Einblicke in die Keramikproduktion ermöglicht. Im benachbarten ehemaligen Klosterpark stehen der Alte Turm, das älteste Bauwerk an der Saar (994 vollendet), und der Homo Ceramicus Mettlachiensis von Joris van der Mijinsbrugge (1974).

Zu den Schätzen der Liutwinuskirche (1899- 1905) gehören ein Kreuzreliquiar (um 1230) und Wandmosaiken mit legendären Szenen aus der Vita des Heiligen Liutwinus. Auf der gegenüberliegenden Saarseite, in einer öffentlich zugänglichen Parkanlage, ließ die Familie Boch ein Gestüt (1854) und Schloß Saareck (1901-1903) errichten.
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