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Alte_Schmelz


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H a l l e n b a d  a m  T h e o d o r - H e u s s - P l a tz


Der Saarbergmann
Bronzeplastik (1930) von Fritz Koelle (1895-1953)

Saarbergmann


B e r u f s s c h u l e  I m  S c h m e l z e r w a l d


Der Walzmeister

Bronzeplastik (1939) von Fritz Koelle (1895-1953)

WalzmeisterBergbau, Eisen- und Glasindustrie haben über Jahrhunderte die Geschichte St. Ingberts geprägt. Bergbau und Glasindustrie sind inzwischen verschwunden, nur die Eisenindustrie und der Maschinenbau spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Neben zahlreichen Architekturrelikten verweisen einige Kunstwerke auf die Bedeutung
der drei Industriezweige, beispielsweise ein geschweißtes Blechtriptychon des saarländischen Bildhauers Lothar Meßner im Rathausfoyer, das einen Bergmann, einen Eisengießer und einen Glasmacher zeigt, und die zwei Standbilder des Augsburger Plastikers Fritz Koelle, der in den 30er Jahren zeitweise im Saarland gearbeitet hatte ( Reden: Bergmann).

Noch in den 50er und 60er Jahren waren die Werke Koelles im Saarland hochgeschätzt. Erst damals, einige Jahrzehnte nach ihrem Entwurf, stellte man die beiden Bronzeplastiken in St. Ingbert auf. Im Rahmen einer Feierstunde am 13. Oktober 1956 wurde der Walzmeister neben der Berufsschule im Schmelzerwald enthüllt. Es handelte sich um ein Geschenk der Firma Moeller & Neumann anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens. Gegossen wurde die Bronzeplastik in der Gießerei Priessmann-Bauer & Co in München. Der Saarbergmann
vor dem Stadtschwimmbad wurde am 16. Juli 1961 der Öffentlichkeit übergeben. Er ist ein Geschenk Franz-Josef Kohl-Weigands an die Stadt St. Ingbert anläßlich seines 60. Geburtstages.
Die Bronzeplastik Saarbergmann von Fritz Koelle entstand 1930. Ähnlich wie der Bergmann vor dem Zechengebäude des Bergwerkes Reden stellt die Plastik einen Arbeiter vor oder nach der Schicht dar. Beide Arbeitergestalten tragen einen ähnlichen Kopfschutz und beide tragen die obligatorische Grubenlampe am Gürtel. Trotz dieser Entsprechungen ist der Charakter der Arbeiterfiguren sehr unterschiedlich: Bei der Realisierung des Saarbergmanns verzichtete Koelle auf eine Monumentalisierung der Figur. Lässigkeit bestimmt die Haltung der etwa lebensgroßen Arbeitergestalt, bewirkt vor allem durch die entspannte Stand-Spielbein-Position und die Gestaltung der Hände, die in den Taschen der Arbeitshose verschwinden. Hier ist kein „Heroe der Arbeit" intendiert, sondern die realistisch-expressive Darstellung eines Arbeiters, dessen etwas leptosomer Körper von der Arbeit gezeichnet ist: Die Brust ist eingefallen, der Bauch wölbt sich vor, das zerfurchte Gesicht wirkt grob, müde, verbraucht.

Bei der Realisierung des Walzmeisters (1939) - ebenfalls eine Bronzeplastik - verfolgte Koelle ein anderes Konzept. Gegenüber dem Saarbergmann gestaltete er den Walzmeister als Kraftmenschen. Das etwas maskenhaft wirkende markante Gesicht der Arbeitergestalt mit den tiefen Stirnfalten über der Nasenwurzel wirkt energisch und willensstark. Der Arbeiter ist bei der Arbeit dargestellt. Mit der weitausladenden Geste des rechten Armes scheint er einem Kollegen ein Zeichen oder eine Anweisung zu geben. Auffallend sind die gestalterischen Kontraste zwischen einer grazil-ephebenhaften, an antiken Vorbildern geschulten Durchgestaltung des Oberkörpers und der kraftvoll-muskulösen Modellierung der Arme und Hände. Qualitative Schwächen der Plastik sind nicht zu übersehen: Wenig überzeugend sind die kaum modellierten Handgelenke und das nur bei Frontalansicht nicht verzerrt wirkende Gesicht.

Der Walzmeister ist wie der Redener Bergmann eine Großplastik, die den Arbeiter in einer heroisch-monumentalen Pose abbildet. Beide Kunstwerke verdeutlichen, daß sich Koelle nationalsozialistischen
Kunstvorstellungen anpaßte, zu denen u.a. die Vorliebe für monumentale Kraftgestalten und neoklassizistische Formgebungen gehörten. Der einige Jahre ältere St. Ingberter Saarbergmann hebt sich deutlich ab. Er ist noch realistischen, spätexpressionistischen Stiltendenzen verpflichtet, hat noch nicht die Glätte der späteren Arbeiter- darstellungen. Er gehört einer Werkgruppe an, zu der auch jener Blockwalzer (1933) in München zählte, den Koelle entfernen mußte, weil diese Plastik der verordneten Idealisierung des „deutschen Arbeitertums" nicht genügte.

Im Gegensatz zu Koelles Redener Bergmann, der speziell für den Eingangsbereich des Zechengebäudes entworfen wurde und mit ihm eine unverwechselbare Einheit bildet, sind die beiden Bronzeplastiken nicht für einen bestimmten Ort konzipiert gewesen. Sie sind spätere künstlerische Zutaten auf öffentlichen Plätzen ohne konkrete Beziehungen zum architektonisch-städtebaulichen Umfeld.

Armin Schmitt
 
Tip
Beeindruckend ist das Ensemble „Alte Schmelz" mit der ältesten saarländischen Werkssiedlung (um 1750), der Möllerhalle
(1750), dem barocken Herrenhaus und qualitätsvollen Industriebauten (1907-1914).
Sehenswert ist Hans Herkommers kubischkantiges Sudhochhaus (1927) der Becker Brauerei und die Hildegardskirche (1929) von Albert Boßlet, deren Inneres an das Strebewerk eines Grubenstollens erinnert.
Empfehlenswert ist auch ein Besuch im Museum St. Ingbert. Neben regelmäßigen Sonderausstellungen liegt der Schwerpunkt auf Graphiken und Gemälden von Albert Weisgerber (1878-1915), der in St. Ingbert geboren wurde. Im gleichen Gebäude befindet sich auch das Heimatmuseum. Zu sehen sind hier u. a. die Dauerausstellung „Kohle- Eisen-Glas", kunstgewerbliche Gußeisenwaren und Porträts, die Mitglieder der St. Ingberter Industriellenfamilie Krämer zeigen.
 
Literatur
150 Jahre Stadt St. Ingbert 1829-1979, hg. von der Stadt St. Ingbert, 1979
Peter Schirmbeck, Adel der Arbeit.
Der Arbeiter in der Kunst der NS-Zeit, Marburg 1984
 
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