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S c h a c h t a n l a g e   R e d e n


Bergmann
Bronzeplastik (1938) von Fritz Koelle (1895-1953)

Hannes_frontDer Augsburger Bildhauer Fritz Koelle (1895-1953) hatte nicht nur durch persönliche Kontakte, sondern auch durch seine thematische Vorliebe für Arbeiterdarstellungen besondere Beziehungen ins Saarland. Einige seiner Skulpturen fanden Aufstellung auf öffentlichen Plätzen, so der Walzmeister und Saarbergmann in St. Ingbert und der Bergmann vor der Grube Reden.

Mit der Ausführung des Bergmanns in Goldbronze für das Redener Zechengebäude wurde Fritz Koelle von der Bergwerksdirektion Saarbrücken beauftragt, nachdem während eines Besuches von Hermann Göring 1935 in Reden der Ausbau der Grube zu einen „nationalsozialistischen Musterbetrieb" beschlossen worden war. Konzipiert wurde Koelles Bergmann für den Eingangsbereich der Grube. Die Plastik stellt einen überlebens- großen, aufrechtstehenden Bergmann vor oder nach der Schicht dar. Er trägt Arbeitskleidung, Kopfschutz und am Gürtel eine Grubenlampe. Obwohl sie in einer entspannten Haltung dargestellt ist, strahlt die Gestalt des Bergmanns doch Wille, Selbstbewußtsein und Kraft aus. Die monumentale Wirkung der drei Meter hohen Figur wird noch gesteigert durch die Aufstellung auf einem zweiteiligen Sandsteinsockel, wodurch sich die Distanz zwischen Betrachter und Plastik erhöht. „Respektvoll" sollten Arbeiter und Besucher zu diesem „Heroen der Arbeit" aufschauen, wenn sie sich dem Portal des Zechenhauses näherten. Allerdings ließ sich der „Volksmund" davon nicht sonderlich beeindrucken. Er gab dem Koelleschen Bergmann den Namen „Redener Hannes und reduzierte die Plastik so auf ein menschliches Maß.

Kunst wurde im Dritten Reich „gleichgeschaltet" und im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie instrumentalisiert. Dies galt vor allem auch für öffentliche Kunstwerke. Während die Nationalsozialisten inter- nationalistische oder republikanisch-demokratische Denkmäler zerstörten (z. B. das Denkmal von Walter Gropius für die Märzgefallenen in Weimar, das Ehrenmal im Dom von Güstrow von Ernst Barlach, das Denkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin, das Völklinger Kriegerdenkmal von Benno Elkan), führten sie die Tradition des nationalen Gefallenenkultes fort und erweiterten ihn durch Denkmäler, die dem „Märtyrertum der Bewegung" gewidmet waren (z.B. Schlageter-Denkmal von 1931 bei Düsseldorf). Ähnlich verhielt es sich auch mit dem Redener Bergmann. Zusammen mit dem Zechengebäude wurde die Skulptur am 10. Juli 1938 eingeweiht. Motto der von den Nationalsozialisten inszenierten Feier war die „Gesunderhaltung der Gefolgschaft und die Schönheit der Arbeit." Die Plastik wurde als „Ehrenmal" den toten Bergleuten gewidmet, allen voran den Gefallenen des 1. Weltkrieges, dann den im „Kampf für den Nationalsozialismus" Gefallenen und schließlich erst den bei Grubenunglücken getöteten Bergleuten."1

RedenDenkmalNeben der Fortführung des traditionellen Totenkultes wurde mit der Aufstellung eines Arbeiter-Standbildes noch ein weiteres Ziel verfolgt. Die Lösung der ökonomischen Probleme durch die Kriegsvorbereitung bedingte die Loyalität der Arbeiter. Ihre propagandistische Ehrung durch Denkmäler sollte deshalb symbolisch auf die scheinbar arbeiterfreundliche Politik des NS-Staates hinweisen.
Koelle gehörte in der Zeit des Nationalsozialismus zu den offiziell hochgeschätzten Künstlern. Sein „Betender Bergmann" stand in der Reichskanzlei, 1937 erhielt er den Auftrag für den Portaladler des Reichspostminis- teriums, war auf allen großen Kunstausstellungen des Dritten Reiches und 1943 in der Ausstellung „Junge Kunst im Deutschen Reich" in Wien vertreten. Es ist um so verwunderlicher, dass Koelle unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein Denkmal für das Konzentrationslager Dachau (1946) schuf und 1971 mit der Plastik
„Inferno" (ebenfalls 1946) in der Ausstellung „Antifaschistischer Widerstand" in München vertreten war.

Gegenüber dem Zechengebäude findet man in einer Parkanlage zwei Denkmäler, die an Redener Grubenunglücke erinnern. Das neogotische Fialendenkmal, das von Jakob Menges (Saarbrücken: Skulpturen der Bergwerksdirektion) gestaltet wurde, ist dem „Gedächtnisse der auf der königlichen Steinkohlengrube Reden durch Entzündung schlagender Wetter am 20. Oktober 1864 verunglückten 34 Bergleute" gewidmet.


An die „braven Knappen", die 1907 bei einem weiteren schweren Grubenunglück auf dem „Felde der Arbeit gefallen" waren, wie eine Inschrift militaristisch verkündet, erinnert ein zweites Denkmal. Über einem Sockel Reden_Denk_Detailbefindet sich ein Halbrelief, an dessen Seiten die Namen der Verunglückten aufgelistet sind. Den oberen Abschluß bildet ein Dreiecksgiebel, der mit dem Hammer und Schlägel-Symbol geschmückt ist. Das Relief zeigt neben einem Bergmann, der in einem Stollen vor einer kohlegefüllten Lore steht, ein Kind vor einem Grabstein mit der hoffnungsvollen Botschaft „Durch Todesnacht bricht ewige Morgenröte".

A.S.

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