I N D U S T R I E - K U N S T - T O U R E N  
S A A R L A N D

von Armin Schmitt

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KunsttourenDieser kleine „Cicerone" führt zu Kunstobjekten im öffentlichen Raum, die sich auf die Arbeitswelt beziehen. Es handelt sich einerseits um „Kunst am Bau", wie bei den Skulpturen der Bergwerksdirektion in Saarbrücken oder Masereels Füllhorn an einer Mettlacher Fabrikhalle, andererseits um Kunstwerke, die für öffentliche Plätze konzipiert wurden. Hierzu zählen neben Denkmälern, die an Grubenunglücke erinnern, vor allem Unternehmer- und Arbeiterdenkmäler. Letztere wurden vornehmlich in den 30er Jahren geschaffen und stehen in einer Traditionslinie, die bis zu Constantin Meunier (1831-1905) zurückreicht, der sich als Bildhauer ausschließlich auf Arbeiterdarstellungen konzentrierte und die Monumentalisierung und  Heroisierung des Themas einleitete. In jüngerer Zeit entstand schließlich eine Gruppe von Objekten im öffentlichen Raum, die weniger durch thematische Bezüge mit dem Industriezeitalter verbunden sind, als durch spezifische Materialien. Die Stahlplastiken des 1990 in Dillingen durchgeführten Symposions, die Stahlskulpturen von Richard Serra in Saarbrücken und Dillingen oder das "Wortsegel" von  Heinrich Popp in Tholey sind hier zu nennen.

Kunst im öffentlichen Raum hat viele Funktionen. Bisweilen dient sie der Selbstdarstellung oder der Erinnerung an herausragende Persönlichkeiten oder Ereignisse, bisweilen ist sie nicht mehr als dekorative Zugabe, Verschönerung oder gar Beschönigung öffentlicher Räume. In jüngerer Zeit mischt sie sich allerdings auch häufiger ein, wirft Fragen auf, irritiert den Betrachter, setzt sich mit städtebaulichen Situationen kritisch auseinander. Das war nicht immer so. Viele Kunstwerke, die im 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts entstanden, sind nicht frei von ideologischen Bezügen.Deutlich zeigt sich dies vor allem auch bei den Arbeiterdenkmälern, die unter den Nationalsozialisten als „Denkmäler der Arbeit" Aufstellung fanden. Daß sie politischen Zielsetzungen dienten und die Einweihungsfeierlichkeiten als propagandistische Veranstaltungen inszeniert wurden, ist heute meist schon wieder vergessen.

Waren bei älteren Werken, die für den öffentlichen Raum geschaffen wurden, thematische Eindeutigkeit und in formaler Hinsicht realistische Tendenzen vorherrschend, so wird bei neueren Arbeiten der Inhalt zugunsten formaler Aspekte zurückgedrängt. Sie sind häufig abstrakt und vermitteln über die ästhetische Wahrnehmung von Kunstwerk und Raum ein Erlebnis, das den Betrachter emotional und Standorte formal einbezieht. Oft wird gefragt, welche Funktion heute Kunst im besprochenen Kunstwerke öffentlichen Raum überhaupt noch haben kann. Beuys hat mit seiner Aktion „7000 Eichen" (1982), ein großes Gemeinschaftsprojekt mit städtebaulichen und ökologischen Fragestellungen, eine Antwort zu geben versucht. Andere Positionen, wie beispielsweise Breustes Sanctuarie in Dillingen, zielen auf die Aktivierung des kollektiven Gedächtnisses ab oder stellen, wie Serras Stahlplastiken, die Auseinandersetzung mit den ortsspezifischen Gegebenheiten in den Vordergrund.

Die IndustrieKunstTouren erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Berücksichtigt wurden vor allem solche Denkmäler und Kunstobjekte, die sich in einem interessanten industriegeschichtlichen Umfeld befinden. Die Tips enthalten Vorschläge für weiter Besichtigungen, wobei der Schwerpunkt auf Denkmälern der Industriekultur liegt. Eigene Entdeckungen werden nach „Schärfung" des Blicks sicherlich möglich sein. Weiterführende Hinweise zur Kunst und zu Industriedenkmälern im Saarland finden Sie in dem DuMont Kunst-Reiseführer „Das Saarland" von Fred Oberhauser.

Die IndustrieKunstTouren sind hervorgegangen aus dem Ausstellungsprojekt "IndustrieMenschenBilder", das 1996 vom Historischen Museum Saarbrücken realisiert wurde. Im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Ausstellung von Gemälden, die sich mit dem Thema Industriekultur beschäftigten, entstand die Idee, die Ausstellung durch entsprechende Kunstwerke vor Ort zu ergänzen. Die hier aufgenommen Objekte gehen auf eine kleine Broschüre des Historischen Museums zurück und werden durch einige aktuelle Arbeiten im öffentlichen Raum ergänzt.
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Titelbild: Dillinger Kubenvariation Stahlplastik von Friedrich Gräsel  Foto: Christoph M Frisch © 2009