Vö l k l i n g e n
P o s t s t r a ß e , V e r s ö h n u n g s k i r c he

„Apotheose der Röchlings"
Deckengemälde (1937) von Waldemar Kolmsperger d. J. (* 1881)


Apotheose_

Im imposanten Innenraum der zwischen 1926 und 1928 errichteten evangelischen Pfarrkirche befindet sich ein neobarockes, illusionistisches Deckengemälde von Waldemar Kolmsperger, eine Stiftung der Völklinger Industriellenfamilie Röchling, die auch den Kirchenbau finanziell unterstützt hatte.

Inmitten einer dramatisch bewegten Szene rauchender Schlote und Fördergerüste sind der Pfarrer und die Architekten Kuhn und Henlein, der für die Innengestaltung verantwortlich war, und Mitglieder der Familie Röchling dargestellt. Sieben Röchlings sind hierarchisch unter den Gründungsvätern Carl und Theodor gruppiert. Hermann Röchling hatte in aller „Bescheidenheit" Wert darauf gelegt, daß keine lebenden Familienangehörigen dargestellt wurden.

Über dieser Zone der Arbeit vollzieht sich ein heilsgeschichtliches Geschehen, die „Siegeskraft des Kreuzes und des Evangeliums" darstellend. Auf einer Wolke, umgeben von Engeln, erscheint Christus mit
dem Kreuz, eine apokalyptische Szene der Wiederkunft Christi. Auf der linken Seite wird ein Adler, seine Fesseln abstreifend, von einem Engel in himmlisches Licht getragen, ein allegorischer Verweis auf die Rückgliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich, die 1935, zwei Jahre vor der Fertigstellung des Deckengemäldes, erfolgte.

Die „Apotheose" der Röchlings und die Einbettung der Industrie in den göttlichen Heilsplan ist weniger Ausdruck einer zur Schau getragenen Religiosität, als vielmehr Zeichen eines gesteigerten Repräsentationsbedürfnisses und des Machtbewußtseins der Elite des Industriezeitalters, die sich eine vorrangige Stellung innerhalb des Heilsplans ausmalte.

Spielt schon das Deckengemälde auf zeitpolitische Aspekte an, wird dies auch in der architektonischen Gestaltung der evangelischen Kirche deutlich. Kuhn zitiert nicht nur den Barockbaumeister Friedrich Joachim Stengel, sondern greift auch auf Formen des rheinischfränkischen Barocks zurück. Dieser Rückgriff auf eine regionale Blütezeit und eine typisch deutsche Formensprache war in den Jahren vor der Rückgliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich nicht frei von politischen Implikationen.

In Wandnischen - sie befinden sich rechts und links neben dem Westportal - wurden vier Bronzestatuen (1935) des Münchener Bildhauers Viktor Funk aufgestellt: Es handelt sich um Allegorien der Arbeit (Eisengießer), der Liebe (Mutter mit Kind), der Barmherzigkeit (Krankenschwester) und der Treue (Soldat mit Handgranate und verwundetem Soldaten). Die Plastiken sind ebenfalls eine Stiftung der Röchlings und wurden in der Völklinger Hütte gegossen.

Armin Schmitt

Tip
Hauptattraktion ist die Alte Völklinger Hütte , die seit 1994 zum Weltkulturerbe gehört. In der Handwerkergasse der Hütte sind Ateliers der Hochschule der Bildenden Künste Saar untergebracht.
Anmeldung zur Besichtigung der Alten Völklinger Hütte: 06898-277 34.
Weitere herausragende Baudenkmäler in Völklingen sind das Alte Rathaus, das klassische Stilformen mit barocken Reminiszenzen und Jugendstilelementen vereinigt, und die neobarocke Kath. Pfarrkirche St. Elegius. Der Heilige Elegius, der oft mit Hammer, Amboß oder Zange dargestellt wurde, ist der Patron der Schmiede und Hüttenarbeiter.


Literatur
Arthur Engelbert, Industrie im Bild - Bild der Industrie, in: tendenzen Nr. 1 59, 28. J g . ,1987, 54 ff
Die Evangelische Versöhnungskirche zu Völklingen, anläßlich des 60-jährigen Jubiläums hg. v. der Evang.
Versöhnungskirchengemeinde Völklingen, Völklingen 1988

 
V ö l k l i n g e n - L u i s e n t h a l
A l t h a n s s t r a ße

Heilige Barbara
Denkmal (1965) von Lothar Meßner (*1926)

An der Zufahrtsstraße zur Grube Luisenthal erhebt sich innerhalb einer architektonisch umgrenzten Grünanlage eine etwa sieben Meter hohe Barbarafigur. Es handelt sich um ein Denkmal für die Opfer des schwersten Grubenunglücks im Saarbergbau: 299 Bergleute waren am 7. Februar 1962 infolge einer Schlagwetterexplosion in der Grube Luisenthal getötet worden ( Saarbrücken: Ehrenmal für die toten Bergleute von Ferdinand Seigrad im Treppenaufgang der Bergwerksdirektion/Hauptverwaltung der Saarbergwerke AG). Eine in den Boden eingelassene bronzene Gedenktafel erinnert an den Unglückstag.
Die Initiative zur Anlage der im Originalzustand erhaltenen Gedenkstätte ging von einem Verein aus. Ihre Einweihung, an der etwa 30 000 Menschen teilnahmen, stand im Mittelpunkt des „Ersten Europäischen Knappentages", der im September 1965 in Luisenthal stattfand.
 
Die Luisenthaler Barbara ist die Replik einer Bexbacher Barbarafigur. Geschaffen wurde sie von Lothar Meßner St. Ingbert: Triptychon im Rathaus, Dillingen: Stahlplastik Arcus triplex). Aus einem turmartigen, sich nach unten verjüngenden Steinguß-Block ist die stilisierte Figur als Halbrelief herausmodelliert. Typische Attribute sind der Heiligen Barbara beigegeben: Der dreifenstrige Turm und der Ölzweig, Symbole ihrer Gefangenschaft und ihres Glaubens.

Die Barbara-Statue ist zwar kein Kunstwerk, das unmittelbar Arbeitswirklichkeit abbildet, sie verweist aber als Symbol auf die Gefährlichkeit bergmännischer Arbeit. Als Schutzheilige der Bergleute ist die heilige Barbara seit Jahrhunderten aufs engste mit dem Bergbau verknüpft und spielt noch heute im Glauben und Brauchtum eine wichtige Rolle. Vor allem in den Kirchen der Bergbaugemeinden trifft man häufig auf Darstellungen der Heiligen.

Die Bexbacher Barbara, Vorbild für das Luisenthaler Standbild, schuf Lothar Meßner 19S5 anläßlich der Einweihung der Grube St. Barbara und des gleichnamigen Kraftwerks. Ursprünglich zwischen Grube und
Kraftwerk aufgestellt, hat sie inzwischen auf der ehemaligen Halde der Grube Frankenholz in Bexbach einen neuen Standort gefunden.

Ernst_Alt
Auch vor dem Knappschaftskrankenhaus in Sulzbach erinnert eine
Bronzebüste, die 1989 von dem Saarbrücker Künstler Ernst Alt
(*1935 - + 2013) geschaffen wurde, an die Patronin der Bergleute.
Sie ruht auf
einem Turm aus Anröchter Dolomit, der säulenartig
ein rundes
Brunnenbecken überragt. In ihrem Innern birgt die Büste
Relikte aus
dem Alltag der Bergleute, „objects trouves" einer
„Kultur der Armut".


Tip
An der Straße des 13. Januar, unterhalb der Tagesanlagen der Grube Luisenthal, befindet sich in einer Grünanlage das Mundloch des Veltheim- und Albertstollens. Der Veltheimstollen wurde 1836 angehauen. Gegenüber, auf der linken Saarseite, steht das Kraftwerk Fenne. Block I entstand 1926 und gehört neben dem Förderturm Camphausen IV und dem Beckerturm (Sudhochhaus) zu den wichtigsten Eisenbetonkonstruktionen zu Beginn dieses Jahrhunderts an der Saar.

 
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