B r e b a c h
H a l b e r g e r h ü t t e / S a a r b r ü c k e r S t r a ße


Eisengießer
Bronzeplastik (1919) von Adolf Gerhard Janensch (*1860)

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Im Gegensatz zum Adel und Bürgertum hat die Selbstdarstellung, beispielsweise durch Porträts oder Bildnis-büsten, in der Arbeiterschicht keine Tradition. Weder verfügte ein Arbeiter über die finanziellen Möglichkeiten, noch boten die oft bescheidenen Lebensverhältnisse Anlaß zu einer Selbstinszenierung mit den Mitteln der Kunst. Wenn uns Arbeiterskulpturen auf öffentlichen Plätzen begegnen, so handelt es sich nicht um individuelle, sondern um allgemeine und typisierende Darstellungen, die oft von Unternehmen in Auftrag gegeben wurden und - insbesondere im Dritten Reich - auch ideologischen Zwecken dienten.

Ein typisches Beispiel ist der Eisengießer (1918) von Adolf Gerhard Janensch. Die lebensgroße Bronzeskulptur, die in einer kleinen Grünanlage vor der Hauptverwaltung der Halbergerhütte steht, zeigt einen Hüttenarbeiter bei der Arbeit: Er trägt, leicht gebeugt, eine Kokille vor sich her, mit der er offensichtlich gerade glühendes Eisen geschöpft hat.

Die Aufstellung der 1918 entworfenen Skulptur erfolgte erst 1939, am Vorabend des „Tages der nationalen Arbeit". Es handelt sich also um die Vereinnahmung eines wesentlich früher entworfenen Kunstwerkes durch die Nationalsozialisten. Der ursprüngliche Standort befand sich vor dem alten Verwaltungsgebäude, das nach dem Zweiten Weltkrieg dem Neubau weichen mußte. Der Eisengießer stand auf einem wuchtigen Betonsockel, versehen mit Hakenkreuzsymbol und zwei Inschriften, die ihn als Denkmal für die „Opfer der Arbeit" und als Stiftung der Halbergerhütte auswiesen. Ähnlich wie die Einweihung des Redener Bergmann von Koelle war die Enthüllung des Denkmals eine nationalsozialistische Propagandaveranstaltung mit Vertretern der Regierung, der NSDAP, der Deutschen Arbeitsfront, der Wehrmacht, der SA und der Ortsgruppe des italienischen Fascio. Das Denkmal wurde im Sinne der nationalsozialistischen Heroisierung des Arbeiters instrumentalisiert. In der Werkszeitung stand zu lesen: „Der in der Figur dargestellte Arbeiter ist der Typus des deutschen schaffenden Menschen an sich, ... Ausdruck der... Einsatzbereitschaft, der Treue und Hingabe an den Beruf.

Tip
Die Besichtigung des Eisengießers kann verbunden werden mit einem industriegeschichtlichen Rundweg, der einen Eindruck vermittelt vom großbürgerlichen Lebensstil der Stumm-Ära und der repräsentativen Funktionen der Architektur: Über die Straße „An der Rotschanz" und die „Stummstraße", die unmittelbar hinter dem Hüttenwerk verläuft, erreicht man das ehemalige Pförtnerhaus. Nur einige Schritte weiter steht die neoromanische Stummkapelle, 1881/82 von Ferdinand Schorbach im Auftrag von Carl Ferdinand Stumm erbaut. Unmittelbar am Pförtnerhaus begann die Auffahrt zu „Schloß Halberg", dem großherr- schaftlichen Wohnsitz der Stumms. Folgt man dem heute geteerten Forstweg, erreicht man nach etwa 800 Metern, kurz vor der Einmündung in die Zufahrtsstraße zum Saarländischen Rundfunk, die Erbbegräbnisstätte. Auf dem kleinen Waldfriedhof wurde 1901 auch Carl Ferdinand von Stumm-Halberg - er war 1888 nobilitiert worden - begraben. Von hier aus erreicht man nach etwa einem Kilometer „Schloß Halberg", das zwischen 1877 und 1880 von dem Hannoveraner Architekten Edwin Oppler (1831-1880) erbaut wurde. Exquisit war die Wahl des Ortes, denn hier besaßen die Saarbrücker Fürsten vor der Französischen Revolution einen Sommersitz. Nicht nur die Ortswahl, sondern auch die luxuriöse Gestaltung des Wohnsitzes drückt den gesellschaftlichen Führungsanspruch des Unternehmers aus. Allerdings zeigt sich „Schloß Halberg", inzwischen Sitz des Saarländischen Rundfunks, nach kriegsbedingten Veränderungen heute wesentlich nüchterner als zur Erbauungszeit. Von „Schloß Halberg" (Gastronomie im Restaurant oder in der Kantine des Saarländischen Rundfunks) führt ein steiler Fußweg, vorbei an einem Mithrasheiligtum, zurück zur Werkskapelle.
Im Umkreis der Hütte sind weiterhin sehenswert:
Angestelltenvillen in der Elisabeth- und Stummstraße, alte Arbeiterhäuser am Ende der Stummstraße, Schlafhaus und Arbeitersiedlung „Altes Werk".

1Werkszeitschrift der Halbergerhütte, Nr.3, 1939, 2

Literatur 
Werkszeitschrift der Halbergerhütte GmbH, hg. in Zusammenarbeit mit der DAF, Nr. 3,
1939, 2f

Armin Schmitt

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