N e u n k i r c h e n

 

N e u n k i r c h e n
S t u m m p l a tz


 Carl Ferdinand von Stumm-Halberg

Denkmal (1902) von Hugo Wilhelm Fritz Schaper (1841-1919)


Stumm Denkmal Neunkirchen Saar

                                 Foto: © Christoph M Frisch 2009

Die Einweihung des Denkmals für Carl Ferdinand von Stumm-Halberg (1836-1901), eine Stiftung Neunkircher Bürger, fand am 30. November 1902 statt. Neben Mitgliedern der Stumm-Familie, Vertretern des Unternehmens und den Honoratioren der Stadt versammelten sich auch die Arbeiter. Der Hüttenverein und ein Orchester traten auf, Reden wurden gehalten.

Das Denkmal des Berliner Bildhauers Schaper zeigt den „ersten Hüttenmann in Neunkirchen", wie sich Stumm gerne selbst bezeichnete, in selbstbewußter, herrischer Pose. Er trägt Hut und Gehrock, stützt die rechte Hand auf einen Stock, während er die linke in die Seite stemmt. Accessoires - eine Zange, wie sie Walzwerker benutzten, und eine Kokille, die beim Eisenguß Verwendung fand - spielen auf die Eisenindustrie an.

Das Denkmal, das auf einem hohen Granitsockel steht, hat mehrfach seinen Standort gewechselt. Ursprünglich wurde es auf einem von Postamenten und einem gußeisernen Gitter eingefaßten Rasenstück auf dem Stummplatz vor dem Verwaltungsgebäude der Neunkircher Eisenwerke aufgestellt. Dieser enge Zusammenhang zwischen Denkmal und Hüttenwerk ist heute nach der Stillegung, dem Teilabriß der Hütte und weitreichenden städtebaulichen Veränderungen nicht mehr erkennbar. Nach einer Generalüberholung fand das Standbild auf dem neugestalteten Stummplatz einen neuen Standort.

Carl Ferdinand von Stumm-Halberg war einer der bedeutendsten Industriellen seiner Zeit, der auch als Politiker über weitreichenden Einfluß verfügte. Wenn sich auch die Eisenindustrie im Neunkircher Raum bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen läßt, war der Aufstieg Neunkirchens zur Hüttenstadt maßgeblich mit seinem Namen verknüpft. Politisch bemühte sich Stumm vor allem darum, daß sich die Arbeiterbewegung im Saarrevier nicht etablierte. Das innerbetriebliche Herrschaftssystem mit rigider Arbeitsordung und Kontrollmechanismen ergänzte er durch sozialpolitische Maßnahmen, die in einer patriarchalischen Grundhaltung ihre Wurzeln hatten.

Die Familie Stumm hat das Neunkircher Stadtbild nicht nur mit der Hütte, sondern auch mit privaten und öffentlichen Gebäuden geprägt. Die evangelische Christuskirche (1867-1869) ist eine Stiftung Carl Ferdinands von Stumm-Halberg, die 1887 errichtete katholische Marienkirche - Architekt war Ferdinand Schorbach, der auch die Stumm-Kapelle in Brebach-Fechingen entworfen hatte - wurde von ihm finanziell gefördert. Zuvor schon hatte sein Vater, Carl Friedrich Stumm, als repräsentativen Wohnsitz ein nicht mehr erhaltenes klassizistisches Herrenhaus errichten lassen. Es lag innerhalb eines ausgedehnten eng- lischen Parks, dessen Mittelpunkt der alte Hammerweiher bildete. Neben dem Hammerweiher blieben die neogotische Kapelle (1852-1854), der Privatfriedhof (um 1845) und ein gußeisernes neogotisches Denkmal (1845), das Carl Friedrich Stumm seinen Vorfahren gewidmet hatte, erhalten. Zwischen einzelnen Denkmälern und Gebäuden bestanden ursprünglich reizvolle Blickachsen.

A.S.

 

 

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C h r i s t u s k i r c h e / U n t e r e r  M a r k t



Der Eisengießer
Bronzeplastik (1936) von Fritz Claus (1885-1956)

Eisengiesser Neunkirchen Saar

                                 Foto: © Christoph M Frisch 2009

Im Frühjahr 1936 schrieb die Neunkircher Eisenwerke AG, vormals Gebrüder Stumm, zum 100. Geburtstag von Carl Ferdinand von Stumm-Halberg einen Wettbewerb für ein Arbeiterdenkmal aus, das in Neunkirchen unterhalb der Christuskirche aufgestellt werden sollte. Den ersten Preis gewann Fritz Claus, damals noch Leiter der Bildhauerklasse an der Staatl. Schule für Kunst und Kunstgewerbe in Saarbrücken. Einige Monate später wurde Professor Claus im Zuge der Auflösung der Kunstschule durch die Nationalsozialisten „namens des Führers und Reichskanzlers" entlassen. Dennoch führte er das begonnene Projekt fort, allerdings behindert durch gestalterische Eingriffe von Stadtbaurat Heilig, die nicht ästhetisch, sondern ideologisch motiviert waren. Die Kunst unterstand inzwischen auch an der Saar dem Diktat der Nationalsozialisten. Das bedeutete vor dem
Hintergrund einer auf Aufwertung und Integration des Arbeiters in die „Volksgemeinschaft" ausgerichteten Politik und Propaganda aucheine stärkere Gewichtung und Würdigung des Arbeiters in der Kunst.

Hatte Claus in seinem ursprünglichen Entwurf als Pendant zum Stumm-Denkmal einen aufrecht stehenden Hüttenarbeiter inmitten einer, den städtebaulichen Gegebenheiten angepaßten Brunnenanlage vorgesehen, so setzte sich Heilig mit seinem Konzept einer stärkeren Exponierung der Arbeiterfigur auf einem überhöhten Sockel durch. Claus war durch diese Gestaltungsvorgabe zur Modifikation seines Entwurfs gezwungen, da die Aufstellung einer aufrecht stehenden Figur auf einem schmalen hohen Sockel aus formalen Gründen nicht mehr zu vertreten war. Er schuf nun die Gestalt eines Eisengießers bei der Arbeit. Durch diese Dynamisierung erhielt er eine leichte Beugung der Skulptur, eine Gegenbewegung zum überhöhten Sockel. Der realistisch, in der Tradition von Constantin Meunier stehende Eisengießer ist gerade damit beschäftigt, mit Hilfe einer langen Schöpfkelle Eisen in eine Gußform zu füllen. Wirklichkeitsgetreu ist auch die Arbeitskleidung wiedergegeben, mit der sich die Eisengießer vor Hitze und Verbrennungen schützten.
Im Oktober 1938 wurde Der Eisengießer als Geschenk des Eisenwerkes, das wie der Künstler keinen Einfluß mehr auf die Gestaltung der Gesamtanlage hatte, der Öffentlichkeit übergeben. Wie so oft in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Einweihung des Denkmals zu einer Machtdemonstration und Propagandaveranstaltung des Regimes.

A.S.
 
Tip
Das Stummdenkmal und Der Eisengießer sind heute Bestandteile des „Neunkircher Hüttenweges". Schilder vor Ort erläutern die einzelnen Relikte aus der Neunkircher Eisenzeit und der Stumm-Ära, u. a. die Reste der Hochofengruppe, das Gebläsehaus, die Stummsche Reithalle (1858/59), die Meisterhäuser und Direktorenvillen, die neogotische Kapelle und den Familienfriedhof. Zu dem Rundweg ist auch eine Broschüre erschienen, erhältlich beim Amt für Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 06821 / 20 23 25

Literatur
Heinz Gillenberg, Spurensuche. Unterwegs durch das Hüttengelände, Neunkirchen 1995
Wilhelm Weber, Der Bildhauer Fritz Claus, Saarbrücken 1960
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