Ensdorf, Halde Duhamel

Haldenportrait
von Christoph M Frisch,
Februar 2010
 

Titel

Wohl in der ersten Hälfte des 18 Jahrhunderts hat man in der Gegend von Ensdorf mit dem Kohlebergbau begonnen. Die nahegelegene Saar begünstigte den Abtransport der Steinkohle per Schiff und veranlasste viele Betriebe zu dieser Zeit ihre nördlicher gelegenen Produktionsstätten zu verlassen und sich im  Saartal anzusiedeln. In Ensdorf brachten  Pferdefuhrwerke den Rohstoff aus einem über 2300 Meter langen Stollen direkt zur Verladung an den Fluß .

1957 wurden die Gruben Duhamel und Griesborn zu einer Anlage, der Grube Ensdorf, zusammengefasst. Angesichts der danach enorm gestiegenen Fördermengen begann man 1962 die große Halde aufzuschütten. Deren Grundfläche beträgt heute beachtliche 47 Hektar und mit einer Gipfelhöhe von 330 Meter über Meeresniveau zählt sie zu den höchsten Bergehalden in Deutschland. In den letzten dreißig Jahren hat man 30 Hektar der Haldenfläche begrünt, sodass in absehbarer Zeit kein schwarzer Berg mehr in die Landschaft ragen wird. Seit 2004 ist ein Teil der Halde von Ensdorf aus begehbar.

Um den Ausblick vom Hochplateau über das Saartal genießen zu können, wird zunächst einmal etwas sportliches Engagement verlangt. Immerhin liegt das Hochplateau der Berghalde 150 Meter über dem Eingangsbereich des Haldenareals. Um nicht auf Böschungen von bis zu 36° Gefälle das Balancevermögen der Besucher/innen zu strapazieren, hat die Gemeinde Ensdorf gut begehbare Wege angelegt, die den Wanderer ohne größere Schwierigkeiten bis zum Mittelplateau der Halde führen. Der Aufstieg zum Hochplateau erfordert dann allerdings schon etwas mehr Einsatz und ist für Familien mit Kleinkindern und allen Spaziergänger/inne/n mit Gehproblemen nicht zu empfehlen. In jedem Fall sollte man die Sonntagsschuhe zu hause lassen und durch vernünftiges Wanderschuhwerk ersetzt haben, bevor man sich den Ausflug über das Areal gönnt.


Aussichtspunkt        Foto © CMFrisch 2010                            Der Aussichtspunkt unterhalb des Hochplateaus mit zwei Orientierungstafeln.

 

Der gut beschilderte Aufstieg führt zuerst an einem kuriosen Weinberg vorbei, den der Wanderer an dieser Stelle wohl als letztes erwarten würde. Die 99 Rebstöcke sind von einem hohen Zaun und garstigem Stacheldraht umgeben, wohl um die Trauben vor der Zudringlichkeit hungriger Wanderer zu schützen.


Mit Aktionen wie der des Berfufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Saar (BBK) “Kunst auf Halde“ im Jahr 2005 versuchte man über den touristischen Punkt hinaus die Halde überregional bekannt zu machen. Damals beteiligten sich 25 Künstlerinnen und Künstler an dem Projekt und machten die Halde Duhamel zum kurzzeitigen Kunstberg. Heute, im Jahr 2010, ist von dem meisten Kunstobjekten an Ort und Stelle nichts mehr zu sehen, da fast alle Objekte temporär angelegt waren. Ganz verzichten muss man aber auf eine Kunstbegegnung trotzdem nicht. Auf dem Mittelplateau befinden sich dauerhaft zwei Kunstwerke des Haldenprojekts. Zum einen ist der massive metallene  "Sonnenbogen"  des Künstlers       Ferdinand Hermann zu sehen, zum anderen die hölzerne Skulptur “Ich war hier und du warst immer da.“ der Künstlerin Claudia E. Schmitt.


Doppel 

           "Ich war hier und du warst immer da"                                                                                       "Sonnenbogen"
            Holzskluptur von Claudia E. Schmitt                                                                     Stahlplastik von Ferdinand Hermann


Zum Wahrzeichen der Halde ist aber in der Zwischenzeit die Gemeinschaftsarbeit “Himmelsleiter“ der Künstlerinnen Julia Baur, Brigitte Morsch, Ursel Kessler und Maria Montnacher-Becker avanciert. Die aus schwerem Holz gezimmerte Leiter ragt auf dem Haldengipfel in den Himmel und eine Bank darunter lädt zur Ruhe ein. Letzteres mit der Einladung, den unverstellten Blick in die himmlischen Weiten wandern zu lassen oder aber das vielfältige Panorama der Saarlandschaft am Fuß des Abraumberges zu genießen.

Leiter2Dieses Kunstobjekt trifft allerdings nicht nur auf ungeteilte Zustimmung. Gleitschirmflieger, die an den steilen Hängen der Ensdorfer Halde ideale Startmöglichkeiten vorfinden, fürchten das Kunstwerk bei ihrem Überflug als ein Hindernis, in das man sich ganz schnell “hereingewickelt“ hat, wenn der Wind oder das Flugtalent den Piloten verlassen.

Der Panoramablick ist ein sich lohnender, wenn auch nichts für Freunde ungestörter Natur. Die Landschaft um die Halde ist geprägt von der Schwerindustrie, die den Menschen der Region seit nunmehr dreihundert Jahren Arbeit und Brot verschafft. Die benachbarten Halden bei Völklingen, das Kraftwerk vor Ensdorf und das dampfende Areal der Dillinger Hütte samt zugehöriger Kokerei geben einen guten Eindruck, wie sich noch vor wenigen Jahrzehnten große Teile des Saarlandes präsentierten, dicht an dicht mit Kohlegruben und Stahlwerken besetzt.

Ganz zum Erliegen ist auch in Ensdorf der Bergbau noch nicht gekommen. Deshalb wird weiterhin Abraum auf die Halde verbracht. Früher mit Schrägaufzug und Kipploren, heute mit einer Bandanlage, der sogenannte "pipe conveyor", die das Material nach oben transportiert, wo es dann mit einem “Absetzer“ verkippt wird.

Dillinger-Huette-DSD
Der Bergbau im Saarland ging im Jahr 2012 zu Ende und vor allem die Halden bestehen nun als dauerhafte Zeugen dieses Teiles der  regionalen Industriegeschichte weiter.

Dies tun sie sicherlich auch dann, wenn schon alle Fördertürme und Hochöfen des Landes, von Rost und Zeit zerfressen, dem Blick entschwunden sind.

 

 

    Aussicht auf das Gelände der Dillinger Hütte. Hier wird weiter
    Stahl gefertigt. Neben der Hüttenanlage befindet sich eine
    Kokerei die den benötigten Koks für die Eisenschmelze erzeugt.
    Die nahegelegene Saar wird für den An- und Abtransport von 
    Rohstoffen und Gütern genutzt.

  

                                                                                                    

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Gleitschirm_Halde
Informationen:

Das Gelände der Ensdorfer Bergehalde ist über drei Eingänge erreichbar. Die Gemeinde empfiehlt den Eingang über die Straße "Bei Fußenkreuz" in Höhe Sportzentrum, da dort im Bereich der Großsporthalle Parkmöglichkeiten gegeben sind. Dafür müssen Sie von der Provinzialstraße in die Straße "Bei Fußenkreuz" abbiegen und in die 3. Straße "Im Sportzentrum" rechts hineinfahren . Zu Zeiten mit geringerem Besucheraufkommen kann man aber auch die “Tiefenbachstraße“ empfehlen. An deren Ende befinden sich einige Parkplätze direkt vor einem Eingang zum Haldenareal. Es sei noch vermerkt, dass alle Eingangsbereiche mit Drehkreuzen versehen sind. Ein Besuch mit Kinderwagen oder Rollstuhl macht also keinen Sinn.



 Dem Projekt Kunst auf Halde des BBK Saar haben wir eine eigene Seite gewidmet.

 
Weitere Halden finden Sie hier: Kunst auf Halden
                                              Zur Liste: Halden IM SAARLAND 

 

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                                        Christoph M Frisch © 2010

Ein Besuch der Ensdorfer Halde Duhamel empfiehlt sich über die Straße “Bei Fusskreuz“ oder die Tiefenbachstraße.  An beiden Orten  gibt es Parkmöglichkeiten direkt vor dem Eingangsbereich zur Halde.

Mit 150 Metern Höhe ist die Ensdorfer Halde die größte ihrer Art im Saarland. Um den Ausblick vom Hochplateau über das Saartal genießen zu können wird allerdings zunächst einmal etwas sportliches Engagement  vom Besucher verlangt. Um nicht auf Böschungen von bis zu 75°  das Balancetalent der Besucher zu strapazieren, hat man gut begehbare Wege angelegt ,die den Wanderer ohne größere Schwierigkeiten bis zum Mittelplateau der Halde führen. Der Aufstieg zum Hochplateau erfordert dann allerdings schon etwas mehr Einsatz und ist für Familien mit Kinderwagen  und Spaziergängern mit Gehproblemen in keinem Fall zu empfehlen. In jedem Fall sollte man die Sonntagsschuhe Zuhause lassen und durch vernünftiges Wanderschuhwerk ersetzt haben, bevor man sich den Ausflug über das Areal gönnt.
Der gut beschilderte Aufstieg führt zuerst an einem kuriosen Weinberg vorbei, den der Wanderer  an dieser Stelle wohl als letztes erwarten würde. Die 99 Rebstöcke sind mit einem hohen Zaun und garstigen Stacheldraht umsäumt, vielleicht um die Trauben vor der Zudringlichkeit hungriger Wanderer zu schützen.

 

Wohl in der ersten Hälfte des 18 Jahrhunderrts hat man in der Gegend von Ensdorf mit dem Kohlebergbau begonnen. Die nahe Saar begünstigte den Abtransport der Steinkohle per Schiff. Pferdefuhrwerke brachten den Rohstoff aus dem über 2000 Meter langen Stollen zur Verladung bis ans Wasser.

Die große Halde wurde ab 1962 aufgeschüttet nachdem die Fördermengen der Grube Ensdorf enorm gestiegen waren. Die Grundfläche der Halde beträgt heute erstaunliche 47 Hektar und die Halde liegt 330 Meter über Meeresniveau. Seit 2004 ist ein Teil der Halde für die Öffentlichkeit zugänglich.