Ehemalige Kaffeeküchen im Saarland

E viertel Lyoner, e Weck un e Bier…
Günter Hofmann , 2005

Ban_Mayb_Kaf

“ Gehste noch mit, mir gehn noch in die Kaffeekisch.” Ein bei Bergleuten oft zu hörender Satz nach der Schicht. Es sollte ein billiger Imbiss sein denn die Bergleute waren oft mehr als 12 Stunden auf ihren Gruben am „Malochen“

Ich habe als Jugendlicher keine Ahnung vom Bergbau gehabt, aber wo es die besten Rohesser und die besten Wecke gab, das war mir bekannt, diese gab es in der Kaffeekisch in der Maybach. Samstags, nach dem 20.00 Uhr Film im Kino, verspürten wir den sogenannten kleinen Hunger, doch das Geld reichte nicht um noch in ein Lokal zu gehen und dort etwas zu verspeisen. Was tun, ab in die Kaffeeküche in die Maybach! Ein viertel Lyoner, ein Weck und eine Flasche Bier für 1,50 DM, das war für unseren Geldbeutel gerade noch erschwinglich. So wurde es denn schon mal etwas später als 22.30 Uhr, eine halbe Stunde über den Zapfen, Besänftigung musste her, also nahmen wir noch einen Ringel Lyoner für die Eltern mit. Zu Hause dann: „Ich hann eich noch e Ringel Lyoner vom Höll mitgebrung.“ Die Eltern: „ Biste schon wedder besoff, a weile mach dass de ins Bett kommscht.“ Schon war also der Abend gerettet!

Lang ist dies nun schon her. Die Grube wurde stillgelegt und die Kaffeeküche verschwand ebenso. In dem denkmalgeschützten Gebäude der Kaffeeküche in Maybach befindet sich heute Anita_Sein Tanzklub, in dem man sich Samstags richtig austoben kann. Doch wie geht es eigentlich der verbliebenen Kaffeeküche in Luisenthal? Gibt’s die noch? Ja, noch gibt es sie! Nach der offiziellen Schließung des Bergwerk Warndt/Luisenthal wurde die Kaffeeküche im Warndt im Juni 2005 geschlossen - aber in Luisenthal ist sie noch geöffnet. Ich habe mich mit der Inhaberin, Anita Sonntag, über das lange Sterben der Kaffeeküche unterhalten.Für sie begann alles 1989 in der Kantine bei den Kraftwerkern im Quierschieder Kraftwerk Weiher. Als sie anfing waren 680 Mitarbeiter dort beschäftigt, im Jahre 2000 waren gerade noch 200 davon übrig und es sollten noch weniger werden. Luisenthal suchte einen neuen Pächter für ihre Kaffeeküche und Anita bewarb sich um diesen Posten. Im April 2000 war es dann soweit, Anita Sonntag übernahm als neue Pächterin die Kaffeeküche in Luisenthal. Es sollte noch besser kommen, für den Pächter im Warndt wurde 2004 ebenfalls ein Nachfolger gesucht und sie übernahm auch diese Kaffeeküche. 7000 Mitarbeiter waren zu versorgen, eine große Herausforderung. 700.000 Euro Umsatz, das waren damals stolze1,4 Millionen D-Mark wurden im Jahr 2000 gemacht. Eine große Brauerei, die mit dem Stern, machte 18.000 Euro Umsatz im Monat an Getränken, ein Bäcker lieferte 14.600 Wecke, weiter brachten vier Metzgereien Wurst und Fleisch, keine unter 1200 Euro in der Woche. Die Firmen Lukullus und Leckerland waren alle vier Tage zugegen um die Bestände der Kaffeeküche aufzufüllen.Bei diesen Aussagen geht ein Strahlen über das Gesicht von Anita und ich kann erkennen, wie sehr sie ihre Arbeit mag. Aber nicht nur sie hängt an diesen Job, auch weitere 13 Mitarbeiterinnen sind in den zwei Kantinen beschäftigt.Wie ist die Lage heute? Be…scheiden, die Grube Warndt ist geschlossen, die Bergleute zum Bergwerk Saar nach Ensdorf bzw. Nordschacht verlegt. Gerade mal 600 Bergleute sind übrig geblieben und es werden immer weniger. So ist es nicht verwunderlich, dass die Umsatzzahlen 2004 dramatisch gefallen sind. 2004 sind noch 140.000Euro übrig geblieben.

Dies hat auch die Brauerei mit dem Stern gemerkt: 5.580 Euro sind an Getränke verkauft worden, ein Minus von rund 12.000 Euro. Als die Grube Camphausen 1996 ihre Kantine schloss, war dies das Aus für die Brauerei Schäfer in Dirmingen - was ich als sehr schade empfand - denn von dort kam dieses herrliche helle Bockbier. Der Bäcker von nebenan konnte mit 3.750 Wecken die Belegschaft sättigen. Leckerland hat sich mittlerweile schon verabschiedet und Lukullus kommt monatlich und setzt gerade mal 1200 Euro um. Feste Mitarbeiterrinnen gibt es auch nicht mehr. 2 Aushilfen sind stundenweise noch in Luisenthal beschäftigt. 13 Arbeitsplätze wurden abgebaut. “Es ist schade, wir waren ein gutes, eingespieltes Team“, bedauert Anita diese Entwicklung. Lange wird auch die Kaffeeküche in Luisenthal nicht mehr zu halten sein. “Ich werde mich um eine neue Arbeitsstelle bemühen müssen, denn zwei -drei Jahre muss ich noch Arbeiten, bevor unser Haus bezahlt ist“. Sie ist 55 Jahre und der Arbeitsmarkt im Saarland bietet wenig freie Stellen. Die alten Bergleute werden sich einen neuen Treffpunkt suchen müssen um über „die Gute alte Zeit“ des Bergbaus zu plaudern und alte Geschichten zu erzählen. Ein Stück Tradition wird verloren gehen, doch die Erinnerung an den großen, verrauchten Saal, mit den harten Holzstühlen und langen Holztischen an denen die ausgetrockneten Bergleute ihr Bier tranken und ihre „Portion“ verspeisten, sich lautstark über die harte Arbeit unter Tage unterhielten, sie wird bleiben.
„Glückauf“

________________________________________________________________________________

Wir suchen noch Fotografien mit Innen- und Außenansichten von Kaffeeküchen. Wir freuen uns über Ihre Zusendungen.  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

_________________________________________________________________________________

Beitragsfoto: Günter Hofmann © 2011
Bildbearbeitung und Titelbanner: Christoph M Frisch © 2011