LITERARHISTORISCHE ANMERKUNGEN ZUR HÜTTENSTADT NEUNKIRCHEN.

von Armin Schmitt

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Schmelzhütten „im Talgrunde“
Wer aufmerksam durch Neunkirchens Oberstadt läuft kann unweit des Rathauses an einem Wohnhaus in der Irrgartenstraße 16 lesen: „Hier wohne Goethe 1770“. Etwas verwundert wird man sich fragen, was den jungen GoetheGoethe in diesen Jahren nach Neunkirchen verschlug, damals noch lange nicht die zweitgrößte Stadt der Region, sondern ein kleines, verschlafenes Nest am Vorabend der Industriellen Revolution. Gerade aber diese neue Zeitalter, das allmählich „heraufdämmernde Maschinenzeitalter“ war es, was Goethe zu einem Besuch in Neunkirchen bewog. Obwohl sein Interesse an den neuen Entwicklungen der Zeit ausgeprägt war, blieb seine Einstellung zum Siegeszug der Maschine allerdings zeitlebens ambivalent. Bekannt ist die prophetische Sentenz aus Wilhelm Meisters Wanderjahren: „Das heraufdämmernde Maschinenwesen quält und ängstig mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam; aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.“ (1) Goethe sah die Janusköpfigkeit der neuen Zeit, die mit Dampflok, Dampfmaschinen und Fabriken die Welt verändern sollte und auch Neunkirchen ein anderes Gesicht gab. Mit der Skepsis gegenüber der neuen Ära, dem Zeitalter der „Velofizierung“ (2), der allumfassenden Beschleunigung des Lebens, wie er es an anderer Stelle einmal nannte, schlug Goethe ein Leitmotiv an, das im 19. Jahrhundert für die literarische Auseinandersetzung mit der Industrialisierung bestimmend werden sollte. Denn viele Künstler und Intellektuelle hatten von Anfang an ein zwiespältiges Verhältnis zum Fortschritt. Während die einen das Ingenieurwesen und die neuen Möglichkeiten feierten, hielten sich andere im Gefolge der Zivilisationskritik Rousseaus lieber an das Prinzip „Natur“. Mancher Goethe_gemaeldeschaute nicht nur fasziniert auf die anthropomorphen Automate, die Julien Offray de la Mettrie (1709-1751), Jaquet Droz (1721-1790) oder Wolfgang Baron von Kempelen (1734-1804) auf den Marktplätzen feilboten, sondern erschauderte vor diesem mechanischen „Teufelszeug“, den Vorboten der neuen Ära und den Urahnen der Roboter. Während die einen am „Mythos vom Dampf“ schrieben und der „Göttin Maschine“ huldigten, warnten andere schon vor dem „Pesthauch“ der Fabriken und den sozialen Folgen. Berühmtheit erlangte die poetische Fehde zwischen Justinus Kerner und Gottfried Keller über das Für und Wider der Technik am Beispiel der Eisenbahn. Sah der skeptische Kerner in seinem Gedicht „Unter dem Himmel“ in all den „Dampfwagen“ und dem „Zug der Waaren“ das Ende der Poesie, so dichtete Keller in seiner Replik „Erwiderung auf Justinus Kerner´s Lied“ spöttisch: „Ich grüße dich im Schäferkleide,/Herfahrend, - doch mein Feuerdrach´/trägt mich vorbei, die dunkle Haide/ Und deine Geister schaun uns nach!“(3) Doch solche und ähnliche literarische Scharmüzel interessieren hier nicht weiter. Dennoch gilt festzuhalten, dass von Anfang an der Prozess der Industrialisierung in der Literatur vielfältig widergespiegelt wird. Das hat schließlich auch dazu geführt, dass die Industriestadt Neunkirchen literarische Weihen erhielt. Manches literarische Denkmal verdankt Neunkirchen seiner industriellen Vergangenheit.


Das erste schuf Goethe mit der beinahe idyllischen Beschreibung seiner Neunkircher Sommernacht in „Dichtung und Wahrheit . Er kam damals aus Straßburg, wo er studierte. Zusammen mit zwei „werten Tischgenossen, Engelbach und Weyland“ hatte er zuvor „zu Pferde“ u.a. Zabern, Pfalzburg, Buchsweiler, Lützelstein besucht und schließlich über Saaralben und Saargemünd die Residenzstadt Saarbrücken erreicht, ein „lichter Punkt in einem so felsig waldigen Tal“ (4). Drei Tage lang waren sie Gäste des Präsidenten von Günderode, der unterhalb des Schlosses ein heute nicht mehr vorhandenes repräsentatives Haus bewohnte. Der Saarbrücker Aufenthalt erhält sogar im späteren Rückblick Goethes die Bedeutung eines Schlüsselerlebnisses, das sein geologisches und naturwissenschaftliche Interesse beförderte: „Hier wurde ich nun eigentlich in das Interesse der Berggegenden eingeweiht, und die Lust zu ökonomischen und technischen Betrachtungen, welche mich einen großen Teil meines Lebens beschäftigt haben, zuerst erregt.“ Die kleine Reisegesellschaft startet von Saarbrücken aus zu einer ersten industriekulturellen Tour. (5) Auf dem Weg zum Brennenden Berg in Dudweiler besichtigten sie „komplizierte Maschinenwerke“, eine Sensenschmiede und einen Drahtzug, die Alaunhütte von Herrn Staudt und die Friedrichsthaler Glashütte, wo sie „eine der wichtigsten und wunderbarsten Werktätigkeiten des menschlichen Kunstgeschicks im Vorübergehen kennen lernten“. In den Abendstunden erreichten sie Neunkirchen, wo sich ihnen ein überraschendes Feuerwerk bot: „Denn wie Zeichnungvor einigen Nächten an den Ufern der Saar, leuchtende Wolken Johanniswürmer zwischen Fels und Busch um uns schwebten, so spielten uns nun die funkenwerfenden Essen ihr lustige Feuerwerk entgegen. Wir betraten bei tiefer Nacht die im Talgrunde liegenden Schmelzhütten, und vergnügten uns an dem seltsamen Halbdunkel dieser Bretterhöhlen, die nur durch des glühenden Ofens geringe Öffnung kümmerlich erleuchtet werden. Das Geräusch des Wassers und der von ihm getriebenen Blasbälge, das fürchterliche Sausen und Pfeifen des Windstroms, der, in das geschmolzene Erz wütend, die Ohren betäubt und sie Sinne verwirrt, trieb uns endlich hinweg, um in Neunkirchen einzukehren, das an den Berg hinaufgebaut ist.“(6) Der Besuch der Schmelzhütten, der Bretterhöhlen „im Talgrunde“, wird zu einer ambivalenten Erfahrung. Während die optischen Eindrücke überwältigend zu sein scheinen, wird der Lärm als besonders unangenehm empfunden. Mit welchen Begriffen hätte Goethe 100 Jahre später die akustische Erfahrung der Neunkircher Hütte literarisch verarbeitet? Wie dem auch sei: Das Getöse treibt die Freunde den Hüttenberg hinauf zur Unterkunft in der Nähe des Schlosses. Goethe hält es an diesem Abend nicht lange in der Herberge. Während sich die Begleiter „seeligem Schlaft“ hingeben macht er sich mitten in der Nacht noch einmal auf, um das etwas höhere Jagdschloss zu besichtigen. Das Barockschloss, von Friedrich Joachim Stengel entworfen, sollte einige Jahre später, 1793, ausgeplündert und danach von Neunkircher Bürger als Steinbruch genutzt werden. Als künde sich das kommende Schicksal des Schlosses schon an, findet Goethe es an diesem Abend leer und verlassen vor, nicht einmal einen Kastellan oder Jäger trifft er an. Lange sitzt er in der lauen Sommernacht auf der Terrassentreppe und schaut sinnend in die Landschaft: „Hier, mitten im Gebirg, über einer waldbewachsenen finsteren Erde, die gegen den heiteren Horizont einer Sommernacht nur noch finsterer erschien, das brennende Sterngewölbe über mir, saß ich an der verlassenen Stätte lange mit mir selbst und glaubte niemals eine solche Einsamkeit empfunden zu haben.“ So ganz wohl scheint sich Goethe auf dem einsamen Schlossberg und der „waldbewachsenen finsteren Erde“ um in herum nicht zu fühlen. Erst die Klänge ferner Waldhörner – ein romantisches Sehnsuchtmotiv klingt hier an - heitern sein Gemüt wieder auf: „Da erwachte in mir das Bild eines holden Wesens, das vor den bunten Gestalten dieser Reisetage in den Hintergrund gewichen war, es enthüllte sich immer mehr und mehr ...“ (7). Die Sehnsucht nach Frederike Brion, die Sesenheimer Geliebte seiner Straßburger Tage, ergriff den einsamen Goethe in Neunkirchen. Er eilt zurück in die Herberge, schon am nächsten Morgen treten die Freunde die Rückkehr nach Straßburg an. Die Reise führt sie über Zweibrücken nach Bitche, von dort durchs Bärental nach Niederbronn, schließlich nach Hagenau. Einen Gefährten lässt er bei einer „lächerlichen Steinkohlengruben-Visitation, die bei Dudweiler etwas ernsthafter würde gewesen sein“ (8) zurück und reitet schleunigst dem „geliebten Sesenheim“ entgegen.


„Von Bergen und anmutigen Thälern“
Einige Jahre später betrat Freiherr von Knigge über die Terrasse, auf der Goethe der fernen Geliebten gedachte, das Neunkircher Jagdschloss der Saarbrücker Fürsten. Knigge, Autor des berühmten Buches „Über Freiherr_v_Kniggeden Umgang mit Menschen“ und Mitbegründer des Illuminatenordens, hatte bessere Kontakte und weilte kurz im Schloss auf Einladung des Saarbrücker Hofes. Er hatte sich während seinen Wanderungen zwischen 1783 und 1787 auch in Heidelberg aufgehalten und war von dort zu einem Abstecher nach Saarbrücken aufgebrochen. Hier wurde er wohlwollend von Fürst Ludwig, einem begeisterten Freimaurer, empfangen. Knigge hat später seine Reiseerinnerungen in Form von fiktiven Briefen festgehalten, jedoch auf ein späteres Datum verlegt, nämlich in den Mai des Jahres 1792. Er beschreibt in seinen Reiseimpressionen die beiden Städte St. Johann und Saarbrücken. Ausführlich widmet er sich dem Saarbrücker Schloss und dem „geschmackvoll eingerichteten Schlossgarten“ und dem regierenden Fürsten Ludwig. In einem zweiten Brief schildert er seine kleinen Wanderungen in der „hiesigen Gegend herum, die ...durch die schöne Abwechslung von Bergen und anmutigen Thälern reizend ist.“ (9) Vor allem die Schlösser haben es ihm angetan: Er besucht das Lustschloss auf dem Ludwigsberg, das Lustschloss Mon plaisir auf dem Halberg und kommt schließlich auf der Weiterreise nach Zweibrücken auch nach Neunkirchen. Sein Interesse gilt allerdings nicht den Eisenhütten, sondern dem fürstlichen Lebensstil und dem formidablen Jagschloss des Fürsten, was er ausführlich beschreibt: „ Das Schloss liegt hoch, von Waldung umgeben, die zu einem Parforce-Jagd-Park eingezäunt ist, am Abhange des Berges ... Die hintere Seite des Schlosses hat die Aussicht auf Terrassen, die, den Berg hinab, fast bis zu denSchloss-plan beträchtlichen Eisenhütten fortgeführt sind, welche im Thale liegen. Das massive Gebäude ist in der Form eines halben Mondes gebauet, hat auf den beyden Flügeln nur ein Erdgeschoss, dahingegen in der Mitte noch eine Etage aufgesetzt ist. Jeder Gegenstand, den man hier erblickt, hat Bezug auf die Jagd, welche der Fürst vormals, mehr wie jetzt, außerordentlich liebte.“ (10) Schwarz- und Rotwild, Reiher und gar Wölfe, die sich aus den Vogesen in die Neunkircher Wälder verirrten, wurden hier zur Strecke gebracht. Die Außenfassaden des Schlosses waren mit den Geweihen der gejagten Hirsche dekoriert. Nur noch schwerlich kann man sich heute vorstellen, dass sich hier die Jagdgründe der Saarbrücker Aristokratie befand: Vom Schloss sind keine Spuren mehr erkennbar, der Wald ist gelichtet und die Landschaft ist vielfältig im Zuge der Industrialisierung durch Halden, Eisenbahnschienen und Straßen überformt worden. Das idyllische Dorf, das Goethe und Knigge noch vorfanden, hat sich zur Stadt entwickelt. Damals fanden hier, so berichtet Knigge, regelmäßig Parforce-Jagden, teutsche Jagden und Reiher-Beizen statt. Die Jagdleidenschaft des Fürsten ging offenbar soweit, dass zu jeder dieser Jagden spezielle Uniformen getragen wurden. Auch die Inneneinrichtung des Schlosses beeindruckten Knigge, vor allem die Räume, die dem Fürsten vorbehalten waren: „Mir gefiel unter anderen die Einrichtung eines Schlafzimmer, in welchem, dem Fenster gegenüber, ein erhöhter Alcoven angebracht ist. Die Rückwand dieses Alcovens besteht gänzlich aus einem großen Spiegel. Vor diesem steht dann das Bette, so, daß der Fürst, wenn er in demselben liegt, die durch das Fenster in dem Spiegel sich darstellende Gegend wie ein Landschafts-Gemälde zur Seite erblickt.“ (10)



„Pusterich, ein Götzenbild, Gräßlich anzuschauen“: Ein Goethekritiker in Wiebelskirchen.

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elbst wenn keine Revolution gegeben und das Schloss noch gestanden hätte, Johann Friedrich Pustkuchen Johann Friedrich Pustkuchen Portrait von C M Frisch(1793 – 1834) wäre kaum in die Verlegenheit gekommen, das gespiegelte „Landschafts-Gemälde“ zu betrachten und fürstliche Gastfreundschaft zu genießen. Seine letzten Jahren waren von Scheitern, Krankheit und bitterer Armut überschattet. Am 2. Januar 1834 wurde auf dem Wiebelskircher Friedhof im Alter von nur 41 Jahren beerdigt (11). Sein Grab ist, nachdem es in Vergessenheit geraten war, auf dem alten Teil des Friedhofs, der heute als Park zugänglich ist, erhalten. Pustkuchen hatte von Juli 1831 bis zu seinem frühen Tod die dortige Pfarrstelle inne. Sie war nicht nur miserabel bezahlt, Pustkuchen war völlig mittellos in Wiebelskirchen eingetroffen, wo ihm übrigens der berufliche Neustart nicht leicht gemacht wurde. Schon wenige Tage nach der Antrittspredigt wandte er sich mit einer Petition an das preußische Ministerium der „Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten“ und beklagte sich darüber, dass ihm weder Gartenland zur Verfügung stehe, noch das Pfarrhaus möbliert sei. Vorübergehend müsse er sich in einer vom Dorf abseits liegenden Mühle einmieten. Neben seinen Aufgaben als Pfarrer und Arzt war er aus einer konservativ-pietistischen Geisteshaltung heraus wie schon zuvor publizistisch aktiv: Neben einer neuen Ordnung für den Konfirmantenunterricht und Presbyterialsitzungen erschienen während der Wiebelskircher Jahre mehrere Schriften und Erbauungsbücher, u.a. „Der Beruf des evangelischen Pfarrers nach seinem Zweck und Wesen“ (1831), „Glaubens- und Sittenlehre in wahrhaften Beispielen, ein Lesebuch für Schule und Haus“ (1833), „Viola – Taschenbuch für 1833 den Freunden des Schönen und Guten gewidmet“ (1832), „Kirche, Schule und Haus“ (1832). Zu einem publizistischen Durchbruch sollte es allerdings nicht mehr reichen. Weder von den Einkünften aus der Pfarrstelle noch aus den Erlösen der Veröffentlichungen ließ sich ein menschenwürdiges Leben fristen. Selbst als er nach seinen Verdiensten bei der Bekämpfung der Choleraepidemie 1832 die Erlaubnis erhielt als Arzt tätig zu werden, scheint sich seine prekäre finanzielle Lage kaum verbessert zu haben. Pustkuchen war damals schon von der Krankheit gezeichnet. Mitte 1833 waren Anzeichen einer Brustwassersucht erkennbar, einer typischen Mangelerkrankung, an der er einige Monate später starb. Er „hinterließ sieben Kinder, davon das älteste 13 Jahre, und nicht das geringste Vermögen, so dass die Witwe mit dieser großen Familie durch das Ableben ihres Ehegatten in die traurigste Lage versetzt ist“, hieß es in einem Bericht des Landrates von Ottweiler an die Behörden. (12)

Pustkuchen hatte die Pfarrstelle in Wiebelskirchen in einer existentiellen Krise angenommen. Hochfliegende literarische Pläne und eine wissenschaftliche Laufbahn – 1817 promovierte er in Halle zum Doktor der Philosophie – hatten sich zerschlagen, eine Pfarrstelle in Lemgo hatte er gekündigt, die Etablierung einer von ihm herausgegebenen Wochenzeitung war gescheitert. Die preußische Regierung, bei der der streitbare und ehrgeizige Mann aufgrund polemischer Schriften in Ungnade gefallen war, verwies Pustkuchen in einem Art „Gnadenakt“ auf die unattraktive Stelle eines Militärprediger im Regierungsbezirk Trier. Allerdings war diese Stelle schon besetzt. Pustkuchen hatte vermutlich erst in Trier von der Vakanz der Wiebelskircher Pfarrstelle erfahren und sich sogleich erfolgreich beworben.

Als Pustkuchen 1830 nach Wiebelskirchen kam, war sein Namen in literarischen Kreisen in ganz Deutschland Wiebelskirchenein Begriff, weniger durch seine schriftstellerische Qualität als vielmehr durch eine literarische Attacke auf Goethe. Der Dichterfürst hatte Pustkuchen seine Unterstützung bei der Veröffentlichung eines Gedichtsbandes versagt, was umso schwerer wog, weil Pustkuchen in früheren Jahren ein Verehrer der Weimarer Klassiker war. Aus dieser Kränkung, aber auch aus ästhetischen und weltanschaulichen Erwägungen heraus polemisierte er gegen Goethe. 1821 erschien im Gottfried Basse Verlag in Quedlinburg eine Publikation mit dem Titel „Wilhelm Meisters Wanderjahren“, einige Monate vor Goethes gleichnamigen Roman, dessen Fertigstellung die literarische Öffentlichkeit gespannt erwartete. Das Werk erschien zunächst anonym, doch wurde die Autorenschaft Pustkuchens einige Monate später aufgedeckt. Er setzte sich mit seiner Variante der „Wanderjahre“ an die Spitze einer Oppositionsbewegung gegen Goethe. Der Roman erhält seine literarhistorische Bedeutung vor allem „als Zeugnis einer in konservativ-pietistischen Kreisen fest eingewurzelten Antipathie gegen Goethe.“ (13) Die Veröffentlichung der sogenannten „Quedlinburger Fälschungen“ führte zu einer jahrelangen heftig geführten Debatte zwischen Goethe-Verehrern und Goethe-Feinden, an der sich unter anderem Börne und Heine, Franz Grillparzer und Jakob Grimm, Mörike, Achim von Arnim und Ludwig Tieck, Baron de la Motte Fouqué und sogar Karl Marx beteiligten. Goethe selbst schlug nicht eben zimperlich zurück: „ ... Pusterich, ein Götzenbild,/Grässlich anzuschauen,/ Pustet über klar Gefild/Wust, Gestank und Grauen ...“ (14). Pustkuchen, einige Jahre unglücklicher und streitbarer Pfarrer in Wiebelskirchen, hat so einen nicht unerheblichen Beitrag zur Literaturgeschichte der Goethezeit geleistet.

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„Unmassen von Rauch“
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zenenwechsel Ende des 20. Jahrhundert: Die Neunkircher Eisenwerke sind eine der größten Hütten im Deutschen Reich, Carl Ferdinand von Stumm-Hallberg einer der großen Industriebosse, der selbst den Kaiser in seiner repräsentativen Residenz auf dem Hallberg empfängt. Die Hütte ist das pulsierende Herz der Stadt. Kaum in einer anderen Hüttenstadt an der Saar sind Wohn- und Arbeitsbereiche enger miteinander verwoben. Es war diese Prägung durch die Industrie, die für machen Literaten Neunkirchen interessant machte. Lisbet Dill veröffentlichte 1913 ihren Roman „Virago“, der Neunkirchen und die große Streikbewegung der 90er Jahre zum Hintergrund hat, Gustav Regler beginnt seinen Roman „Im Kreuzfeuer“ (1934) mit der Schilderung des Explosionsunglücks in Neunkirchen am 10. Februar 1933, Joseph Roth kommt nach Neunkirchen, um für die Frankfurter Zeitung Sozialreportagen zu schreiben, Bert Engelmann setzt sich in „Die goldenen Jahre“ kritisch mit dem „König von Saarabien“ auseinander.

Auch Richard Dehmel hielt sich für einige Monate in Neunkirchen auf. Seit 1884 war er Redakteur bei der freikonservativen „Saar- und Blieszeitung“, seit dem 1. Januar sogar als verantwortlicher Redakteur. Die 1863 R_Dehmelgegründete „Saar- und Blieszeitung“ stand in enger Verbindung, zeitweilig sicherlich auch in Abhängigkeit zur Führung des Neunkircher Eisenwerkes. Sie war keine parteipolitische Zeitung in engerem Sinn, stand aber nationalliberalen Tendenzen nahe. Ihre Bedeutung lag vor allem auf dem lokalpolitischen Sektor.

In einem Brief an Franz Oppenheimer charakterisiert Dehmel Neunkirchen als ungemütlichen Industrieort, der allerdings die vergangene Idylle, die noch Knigge und Goethe antrafen, sich scheinbar bewahrt hatte: „Neunkirchen selbst ist ein Fabrikort von circa 17 000 Einwohnern, von denen die Hälfte Beamte und Arbeiter der Bergwerke und Stumm´schen Fabriken sind. Es ist sehr hübsch in einem Thale gelegen, und wenn die Unmassen von Rauch aus den Fabrikschonsteinen und Öfen nicht wären, könnte man den Ort idyllisch nennen.“ (15) Der 1863 geborene Dehmel war nach Neunkirchen gekommen, weil er sich in einer finanziellen Notsituation befand. Er hatte ab 1882 in Berlin und Leipzig Volkswirtschaft, Soziologie, Philosophie und Naturwissenschaften studiert. Durch einen Streit mit seinem Vater verlor er dessen finanzielle Unterstützung und machte Schulden, die er durch die Annahme der Stelle in Neunkirchen, die ihm ein Mitglied seiner Studentenverbindung vermittelte, abzubauen versuchte. Dehmel hat es freilich nicht lange auf dieser Stellung ausgehalten und kehrte schon im Frühjahr nach Berlin zurück. Möglicherweise zog er während seiner Neunkircher Zeit mehrere Male um . Als Adressen werden Königsstraße 43, Untere Ruhstockstraße 16 und Oberer Markt 10 genannt. In dem schon erwähnten Brief an Oppenheimer schildert Dehmel seine Wohnsituation und seinen Tagesablauf: „Glücklicherweise weht der Rauch fast nie nach der Seite meiner Wohnung und der Redaktion hin, weil nach dieser Richtung der Wind nicht über die Berge kann. Die Umgebung selbst hat mannigfaltige Schönheiten, die ich auf meinen Sonntagsausflügen besichtigen werde ... Meine Praxis fängt um halb sieben an, und ich habe dann bis circa 9 Uhr zu thun. Bis 11 Uhr gehe ich spazieren oder treibe sonst etwas Nützliches und arbeite darauf bis 12 Uhr. Dann, unter dem Geläut der Mittagsglocken und dem Geschrei der Marktweiber, die dicht bei meinem Bureau Kohl au naturell feilbieten, lege ich Feder, Schere und Kleistertopf beiseite, froh auch meinen Kohl (spirituell) unter das Publicum gebracht zu haben. NachmittagsHistorische Ansicht Neunkirchen Hütte und Stummdenkmal nimmt mich meine Stellung noch einmal und zwar von halb vier bis sieben Uhr in Anspruch.“ (16) Das Arbeitspensum, das Dehmel in der Redaktion zu erledigen hatte, war immens, so dass wenig Zeit blieb, an dem gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Er hatte sich aufgrund seiner katastrophalen Finanzsituation strenges Sparen auferlegt. Zudem waren in Neunkirchen offensichtlich die Lebenskosten und wegen Wohnungsmangel auch die Mietpreise hoch: „Das Nest ist ziemlich teuer, wie ich aus einigen Kleinigkeiten, die ich brauchte, gesehen habe; Wohnungen, die schwer zu haben sind, haben Berliner Preise. Ich hatte das Glück, für 18 Mark eine zu bekommen; es wurden aber auch 22,50 und 30 Mark stellenweise verlangt. Für Essen zahle ich 90 Pfennige, behalte aber gewöhnlich noch etwas für den Abend übrig“. (17) Neben den „Sonntagspaziergängen“ boten sich auch bescheidende Möglichkeiten der Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben: „An standesgemäßen Gesellschaften hat man hier den Rauchclub und die Casinogesellschaft, welche letztere aber erst bei Beginn des Winters zusammentritt. Außer diesen beiden Abenden der Woche werde ich stets zu Hause bleiben und es mir gemütlich machen. Studenten und gewesene Stundenten (Ärzte, Ingenieure etc.) sind mehrere hier, genug sogar, aber leider kein Burschenschafter, ein alter Corpsier und einige Blasiers (besonders Berliner Saroven) und gewesene Finken. – Ich werde mich möglichst zurückhalten.“ (18)

Wenigstens an den Rauchabenden hat Dehmel eine zeitlang teilgenommen. Sie fanden jeweils dienstags im Gasthof von Ferdinand Simon gegenüber dem Bahnhof in der Kuchenbergstraße statt. „Mittelpunkt des Kreises war der Kesselfabrikant Kayser aus Neunkirchen, er war der Präsident des `Rauchabends´. Auch der damalige Verleger und Redakteur der `Saar- und Blieszeitung´ gehörte in unseren Rauchabend. Dessen Sohn Karl Ohle führte im Herbst 1884 eines Abends Richard Dehmel bei uns ein. Und daraufhin erschien er jeden Dienstagabend und wurde bei seinem einfachen bescheidenen Wesen gern gesehen“ (19) Besonders enge persönliche Beziehungen hatten sich allerdings nicht ergeben, denn als Dehmel Neunkirchen verließ, hielt er es nicht für nötig, sich bei den Mitgliedern des Rauchabends zu verabschieden. Früher als verabredet schied Dehmel aus der Redaktion aus. Während einer Reise nach Heidelberg und Marburg bat er den Verleger Ohle um frühzeitige Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses. Gründe waren möglicherweise Differenzen mit dem Verleger, aber auch die hohe Arbeitsbelastung und die wenig anspruchsvolle Tätigkeit als Lokalredakteur bei einer nationalliberalen Zeitung, die in der Einflusssphäre Stumms stand.

Frage bleibt, ob Eindrücke des Neunkircher Aufenthaltes im späteren Werk Dehmels Früchte getragen haben. Möglicherweise ist dies positiv zu beantworten. Franz Oppenheimer, der Jugendfreund, schrieb später: „Persönlich erinnere ich mich des Umstandes, daß Richard von der Tyrannei von Majestät Stumm und von dem Einfluß des Kapitals auf die Presse sehr stark impressioniert war. Für mich, der ich damals noch lediglich Mediziner und sozialpolitisch ein unbeschriebenes Blatt war, waren seine Erfahrungen in Neunkirchen eine starke Anregung zum Nachdenken über diese Dinge“ (20) Auch Friedrich Binz vermutet in seinem Aufsatz über Dehmels Aufenthalt für die Saarbrücker Zeitung am 7.2. 1926, dass die Begegnung mit Neunkirchen bei dem Dichter einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe: „ Es waren die qualmenden Schlote, die glutenden Öfen Neunkirchens, die Arbeiterscharen, die er täglich durch die rauchgeschwärzten Straßen zur und aus der Hütte trotten sah, die sich ihm einprägten; vielleicht sah er in seiner Eigenschaft als Redakteur in die bierdunstigen Versammlungslokale – und wurden ihm diese Bilder wohl später das Relief für seine Gedichte, die der ´Venus Socia´ gelten. Denn wenn auch Dehmel an Oppenheimer schreibt, daß es ihm an dem Blatt des Herrn Stumm gefiele, so war es doch schon in seiner Neunkircher Zeit in seinem Wesen derselbe, der später schrieb:

"O lasst euch rühren, ihr Tausende!

Einst sah ich euch in sternklarer Winternacht

Zwischen den trüben Gaslaternen

Wie ein ungeheurer Heerwurm

Den Ausweg aus eurer Drangsal suchen ...“ (21)

 

„Das Friedel wird ins Mädchenpensionat gebracht“
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er heute nach Neunkirchen kommt wird nur noch wenige Relikte aus der großen Zeit der Industrie vorfinden: einige Fabrikhallen, isolierte Hochöfen, der Wasserturm, einige Skulpturen wie das Stumm-Denkmal (1902) und der Eisengießer (1936), die Meisterhäuser. Mit der Stillegung der Koksanlage, der Erzaufbereitung und der Hochöfen ging hier Anfang 1982 eine vier Jahrhunderte dauernde Ära zu Ende. Das Industrieareal wurde teilweise ausgeschlachtet, demontiert, abgerissen. Dort, wo einst die Stahlkocher, Eisengießer und Umwalzer ihrer Arbeit nachgingen, entstand ein neues Stadtzentrum. Es gehört schon etwas Vorstellungskraft dazu, sich das pulsierende Leben in der Zeit der Hochindustrialsierung um 1900 vorzustellen: Die Hüttenwerke bestimmten den Rhythmus der Stadt, nach der Schicht füllten sich für kurze Zeit die Kneipen am Hüttenberg, Lärm, Staub und Qualm waren allgegenwärtig, Stadt und Hüttenwerk waren eine unverwechselbare Einheit eingegangen. Wenn die Hüttenstadt Anfang des 20. Jahrhunderts vereinzelt in der Literatur aufleuchtet, dann deshalb, weil hier, mehr noch als in Völklingen oder anderen saarländischen Hüttenstädten die ökonomischen, ökologischen städtebaulichen Folgen sinnfällig geworden waren. Zudem konnten durch die Ansiedlung der Handlung eines Romans in Neunkirchen, soziale und politische Konstellationen und Konflikte dargestellt werden.

lisbeth_dillEines der Hauptmotive der in Dudweiler geborenen Schriftstellerin Liesbeth Dill (1877-1962) ist die „Spiegelung der politisch und sozial spannungsreichen Atmosphäre der Saargegend und Lothringens“ in der Zeit zwischen Reichsgründung und 1935. (22) Ihre Frauen- und Gesellschaftsromane sind dem Genre des gehobenen Unterhaltungsromans zuzuordnen. Thematisch interessant sind neben den Milieustudien vor allem die „sozialkritischen Lebensschilderungen weiblicher Lebenszusammenhänge“ (23), in denen sie teilweise auch eigene biographische Erfahrungen verarbeitet hat.

Der 1913 erschienene Roman „Virago“ – er gehört in die Frühphase ihres umfangreichen Werkes – ist teilweise in Neunkirchen angesiedelt. In ihm schildert Liesbeth Dill das Schicksal einer aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden jungen Frau names Friederike Konz, Tochter eines Industriellen aus Neuweiler, in dem unschwer ein Pseudonym für Neunkirchen zu erkennen ist. Der Vater verweigert der emanzipatorisch orientierten Tochter ein Medizinstudium und schickt sie stattdessen in ein Mädchenpensionat, in dem sie auf die traditionelle Rolle der bürgerlichen Frau vorbereitet wird. Zurück in Neuweiler übernimmt sie dennoch die Verwaltung der väterlichen Kesselschmiede und engagiert sich für die Arbeiter im Sinne einer unternehmerischen Wohlfahrtspolitik. Privat wie beruflich bleibt sie allerdings glücklos. Zwei Verlobungen werden wieder aufgelöst, weil sie sich auch nach der Heirat sozialpolitisch engagieren will. Der Versuch nach dem Tod des Vaters den Betrieb allein weiterzuführen, scheitert an der wirtschaftlichen Rezension und an dem Misstrauen der Arbeitskräfte und Dorfbewohner. Während eines spektakulären Mordprozesses wird sie öffentlich als „Virago“, als Mannweib diffamiert. Sie verlässt gekränkt für eine Zeit Neuweiler und nimmt sich – durch ihr unkonventionelles Verhalten gesellschaftlich isoliert - kurze Zeit nach der Rückkehr das Leben.

Hintergrund dieser tragischen Frauenschicksals sind neben der Problematisierung geschlechtsspezifischer Virago_Rollenstereotypen die sozialpolitischen Verwerfungen in der Zeit der Hochindustrialisierung, vor allem die soziale Deklassierung der Arbeiterschaft. Dieser soziale Kontext verdichtet sich im Roman in einer episodenhaften Schilderung der großen Streikbewegung von 1889, die ihn auch zu einem Roman sozialgeschichtlich geprägter Industrieliteratur mit Bezug zum Neunkircher Raum macht. (24) Authentische Sozialgeschichte hat Liesbeth Dill in diesem Werk verarbeitet, wobei sie die Namen der Akteure veränderte: Aus dem Streikführer Nikolaus Warken, genannt Eckstein, wird Bickel, genannt „Schellenwenzel“, hinter Direktor Stamm verbirgt sich Stumm. Hinzu treten die industriekulturellen Kulissen der Handlung, die Liesbet Dill aus eigener Anschauung kannte und die sie bei einem späteren Filmgesellschaft-Projekt noch einmal anpries: „ ...wir haben dort Berge, Wälder, Bergwerke, Industrie, haben Wüste, Sandstrecken, Flüsse, eine reiche, bunte Landschaft, die man in Berlin erst bauen muss.“ (25) Dabei sind Dills Schilderungen nicht frei von idyllischen Elementen, wenn Sie beispielsweise Frederikes Abreise mit dem Zug ins Mädchenpensionat beschreibt: „Friederike stand am Fenster in ihrem schwarzen Gummimantel und dem grünen Filzhut mit dem Stutzen. Beim Abschied hatte sie sich tapfer gezeigt ... – doch jetzt, als der Zug sich in Bewegung setzte und sie ihr altes Haus mit der Fahnenstange, die Kesselschmiede, die Hallen und Werkstätten, von Telegraphendrähten umsponnen und eingeengt von einem Schienennetz zum letzten Mal sah, überkam sie das Bewußtsein des Abschieds mit solcher Heftigkeit, daß sie fürchtete, in Tränen auszubrechen. Das rauchende Hüttenwerk verschwand, ... auf der Pappelallee, die zur Grube führte, marschierte ein Trupp Neuweiler Bergleute mit geschwärzten Gesichtern und leeren Kaffeetüten, in den kleinen, ihr wohlbekannten Bergmannsgärten flatterte Wäsche im Morgenwind, dort auf der Steintreppe schälte eine Frau Kartoffeln, neben ihr saß ein Greis, der eine alter Bergmannsmütze trug und rauchend dem Zug nachsah.“ (26)



„Halten wir uns lieber an das Konkrete“
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ährend im Roman Liesbet Dills Neunkirchen und seine Umgebung Kulisse bleiben für die Entfaltung eines Frauenschicksals, so wird Neunkirchen in den Reportagen Josef Roths (1894-1939) selbst zum Thema. Seine Beschreibung der Stadt ist zweifellos das Beste, was über Neunkirchen und seine Menschen geschrieben wurde. Jenseits jeder ideologischen Fixierung hält er sich, wie es dem Flaneur zu eigen ist, an das Konkrete, an das was ihm beim Durchstreifen der Stadt auffällt und verwandelt es in Literatur.

Joseph_RothDer große österreichische Romancier, Novellist und Feuilletonist, der melancholische Gestalter des Untergangs der K. u. K. Donaumonarchie war 1927 zu einem Besuch ins Saargebiet gekommen, der sich in sieben Reportagen niederschlug, die als „Briefe aus Deutschland“ unter dem Verfasserpseudonym „Cuneus“ in der Frankfurter Zeitung zwischen November 1927 und Januar 1928 veröffentlicht wurden. Drei dieser meisterlichen „Briefe“, mit denen sich Roth gleichermaßen als genauer Beobachter als auch kritischer und mitfühlender Porträtist der kleinen Leute auswies, beziehen sich auf Neunkirchen. Seine Reportagen – Roth damals schon ein angesehener Feuilletonist und Schriftsteller - stießen allerdings nicht nur auf Gegenliebe. Bei manchem Bewohner des Saargebiets lösten sie Ärger aus, der sich in Attacken gegen Roth in der „Saarbrücker Zeitung“ niederschlug. Man warf ihm vor, die Städte und ihre Bewohner zu verunglimpfen. Zu sehr hatte Roth die Hand in die Wunde gelegt: „Wir wissen selbst, dass die Industrie unseren Städten manch hässliches Pflaster ins Gesicht geklebt hat.“ (27)

Zum erstem Mal fährt Roth in Begleitung von Angelica Balabanoff, einer Aktivistin der Arbeiterbewegung, zu einem Vortrag nach Neunkirchen: „Wir fahren durch die breiten Straßen, die sozusagen ins Freie führen. Aber wo die Häuser aufhören, fangen die Fabriken an; und wo die Straßen zu Ende sind, beginnen die wüsten Plätze. Manchmal ist die Erde aufgelockert wie ein Acker im Frühling, man könnte darüber mit Harken hingefahren sein. Aber nie wird sie einen Samen empfangen, niemals eine Ähre tragen. Es dampft und raucht aus allen ihren Poren, wie aus einem Schuttplatz nach einem Brand. Schienen. Ein Wall. Ein Hof. Ein Zaun. Kohle. Ein Kran. Ein Werk. Eine Fabrik. Schienen. ...“ (28) Er nähert sich der Stadt vom Bahnhof her, geht durch die Hauptstraße: „Sie verläuft in Windungen vom Bahnhof bis zu ihrem Ende und bekommt jedesmal, ohne ersichtlichen Grund, einen anderen Namen. Sie wirft Plätze wie Blasen. Das Gelände ist uneben, die Natur hat sich alle Mühe gegeben, hier die Entstehung einer Stadt zu verhindern, aber es hat ihr nicht geholfen, der Natur. Sie mußte zusehen, wie man Löcher in die Erde schnitt, in den Bauch drang, das Eingeweide entfernte, immer tiefer bohrte, höhlte, Erze förderte. Werke anlegte, Eisen anzündete, dem Feuer die Eigenschaften des fließenden Wassers aufzwang und Wasser verwandelte in stinkenden Rauch... Über der Stadt schwimmen Wolken. Nicht echte, himmlische, sondern künstliche: Industriewolken.“ (29) Nach diesen ungeschönten Stadtimpressionen konzentriert er sich auf die Details, beschreibt den Staub und Dreck, der die Industriestädte prägte: „Alle Waren sehen verstaubt aus. Auf allen Kleidern, allen Mauern, Fenstern, allen Pflastersteinen liegt dieser schwarzgraue, feinkörnige, dennoch harte Sand ... Es ist der Trauerflor der Zivilisation ... In den Buchhandlungen: Karl May und ähnliche Literatur. Hier mag es ein Bedürfnis und Trost sein, von gesegneten Gegenden zu hören ...“ (30) Ziemlich unpretentiös und ohne Pathos fällt auch seine Annäherung an das Hüttenwerk aus. Dadurch, dass an keiner Stelle allerdings die Rede davon ist, dass es sich um das Neunkircher Eisenwerk handelt, wird der Text ins Allgemeingültige gehoben, erhält allgemeingültige Aussagekraft, eine Tendenz, die typisch ist für die Reportagen Roths. Spätexpressionistischem Pathos und Industrieromantik erteilt er eine Absage: „Denkt man daran, das heißt: befreit man sich von überlieferten Vorstellungen: ‚Sklaven der Maschinen’, so ist der Besuch eines Werks nicht trauriger als der eines Spitals zum Beispiel, eines Waisenhauses oder einer Arbeiterkolonie. Es ist allerdings auch nicht ‚erhebend’, wie ihn die Fanatiker der ‚rauchenden Schlote’ und die Besinger der ‚flammenden Hochöfen’ nennen mögen. Das Werk ist grau und gewöhnlich, wie der Tag war, an dem ich hinging. Man erzeugt dort keine Gedichte, sondern Schienen, Drähte, Eisen, Stahl. Die Tendenz der Werkbesitzer: ihr Leben zu fristen. Lauter alltägliche Angelegenheiten.“ (31)

So wie er sich für die Physiognomie der Stadt interessiert, faszinieren ihn auch die Physiognomien der Menschen, denen er in Neunkirchen begegnete. Bei dem Besuch des Vortrages über den italienischen Faschismus von Angelica Balabanoff hat er ausgiebig Zeit die Menschen zu studieren. Die Trinkfreudigkeit der Arbeiter während des Vortrages kommentiert er mit dem Satz „Wenn einfache Menschen ihren geistigen Horizont erweitern, verdienen die Gastwirte gewöhnlich viel Geld“. Mit kritischer Distanz, aber auch voller Mitgefühl und Empathie studiert er die Gesichter der abwesenden Frauen: „Ihre Gesichter sind grau und zerfurcht, Physiognomien von männlichen Denkern. Die Sorgen machen Schnäbel aus Nasen, Spalten aus Mündern, kleine blasse Lichtfünkchen aus Augen. Auf den Stirnen Landkarten aus Falten, die Geographie des Kummers.“ Und über die Männer heißt es: „ Die Gesichter der Männer sind einfach, ernst, ruhig. Verborgene Krankheiten liegen in den Tiefen der Augen. Viele husten mit schnarrenden Geräuschen.“ (32)

Roth ist kein „Besinger“ der Schlote und Hochöfen, seine Reportagen sind vor allem inspiriert von einem sozialen Engagement, ohne dass man ihnen sozialistische Tendenzen unterstellen könnte. Deutlich wird die sozialkritische Intention vor allem in der Reportage „Das Warenhaus und das Denkmal“. Der Autor übt Mimikri, schlüpft an einem Zahltag, dem „Feiertag des Proletariats“, in die Rolle eines heimlichen Beobachters, „den man für einen ‚stillen Teilhaber’ oder für einen (in Neunkirchen überflüssigen) Detektiv oder für einen Direktor und Personalchef“ halten könnte. (33)

Das Warenhaus befand sich gegenüber dem Stummdenkmal, das Roth als repräsentatives Denkmal der Stummdenkmal am heutigen Standort in Neunkirchenpatriarchalisches Unternehmergeneration begreift, dem er trotz der scheinbar fehlenden Monumentalität und Bescheidenheit nur ironischen Respekt entgegen zu bringen vermag: „Aber es liegt eine gewisse versöhnende Naivität in dieser Pose, in der sie sich dem eigenen Ruß ausliefern, und in ihrer heiligen Überzeugung von ihrem Gottesgnadentum...“ (34) Im Warenhaus beobachtet Roth die Arbeiterfrauen, vor allem eine ärmliche Mitvierziger, die mit einem Kind anderthalb Stunden im Kaufhaus zubringt, unsicher, zaghaft, von der ungewohnten Situation im Kaufhaus völlig überfordert. Schließlich ging sei „wie jemand, der eine Prüfung nicht bestanden hat. Alle diese Frauen stehn ja vor dem Einkauf wie vor einer Prüfung. ...Die Menschen sehn zu den Verkäufern auf wie zu Helfern und Ratgebern, die Verkäufer stehen am Rand der höheren sozialen Schicht und besitzen den die Autorität der Modegelehrten, der um Sitte und Brauch Bescheid Wissenden.“ (35) Roth sieht Zusammenhänge zwischen die Subalternität, der Unsicherheit und der Einkaufsfurcht der Arbeiterfrau mit dem Stumm-Denkmal als Symbol autoritärer sozialer Verhältnisse, Zusammenhänge „zwischen einer demütigen Unsicherheit, die sich bis ins dritte und vierte Geschlecht fortpflanzt, und einer patriarchalischen Erziehung durch einen Unternehmer, der sich um Ehe und Verlobung, Wochenlohn und politische Gesinnung, Kindertaufe und Sargbeschaffenheit der Untertanen kümmert.“ (36)



„Vernichtung über (der) Stadt“
1934 erschien Gustav Reglers Agitationsroman „Im Kreuzfeuer“, mit dem er sich als erklärter Antifaschist und Kommunist in den Abstimmungskampf an der Saar einschaltete. Der 1898 in Merzig geborene Regler lebte Reglerdamals schon nicht mehr in Deutschland. 1933 war er vor der Gestapo nach Frankreich geflohen, später, nach der Ausbürgerung 1934 und nach einer Beteiligung am spanischen Bürgerkrieg, ging er ins Exil nach Mexiko. 1963 starb er auf einer Reise in New Delhi.

Den Auftrag zu einem Agitationsroman, der gegen den Anschluss des Saargebiets an Hitler-Deutschland und für den Status Quo plädierte, hatte er von der KPD erhalten. Die politische Wirkung des Romans scheiterte jedoch an der Taktik der kommunistischen Partei, die sich zu spät auf die Bildung einer antifaschistischen Einheitsfront einließ. Mit der Abstimmungsniederlage und der falschen Einschätzung der Saarbevölkerung scheiterte auch eine „Agitationsliteratur, deren Linientreue dem Zickzack der Parteilinie hinterherhinkt“. (37)

Im Kreuzfeuer“ ist in unserem Zusammenhang vor allem deshalb interessant, weil Regler die Exposition des Romans in Neunkirchen ansiedelt. Das erste Kapitel trägt den Titel „Explosion“ und thematisiert die Gasometer vor dem UnglückKatastrophe, die durch die Explosion des Gasometers 1934 ausgelöst worden ist. 160 Tote waren damals zu beklagen, zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Der Roman nimmt seinen Anfang im zeittypischen Milieu heimlicher Kohlegräber und Spritschieber, um sich dann aber sehr schnell auf die dramatischen Ereignisse des 10. Februar zuzubewegen: „Der Gasometer war verschwunden. Auf den Hügeln um die Stadt klatschten seine Trümmer in den Boden. In den geborstenen Mauern der Arbeiterhäuser steckten sie; blutüberflossen ragten sie aus halb bedeckten Leichen am Rand der Straße. In siebzigfachen Tod hatte sich der Behälter verwandelt, achtundzwanzig Häuer hatte er rasiert. Die brennende Benzolfabrik in der Tiefe des Werks beleuchtete mit unruhigem Licht die Verwüstung.“ (38) Im Folgenden schildert Regler die spontanen Hilfsaktionen verschiedener Gruppierungen und Einrichtungen: „Bei den Schutthaufen der Schlawerie waren Kolonnen junger Arbeiter erschienen, sozialistische Jugend, junge Männer vom Roten Frontkämpferbund. Sie rissen die Trümmer auf, brachen Wände nieder, suchten nach Leichen und Verwundeten. Der zweite Alarmruf kam. Die Benzolfabrik konnte jeden Augenblick einstürzen und neue Vernichtung über die Stadt werfen. Die Neugierigen rasten die Straßen hinunter, die Landjäger warnten kurz, dann zogen sie sich ebenfalls zurück.“ (39) Die Intention Reglers besteht jedoch nicht in der realistischen Schilderung der schrecklichen Ereignisse. Vielmehr geht es ihm darum, ausgehend von der schrecklichen Explosion und den unterschiedlichen Reaktionweisen der verschiedenen Gruppen, die politischen Konstellationen am Vorabend der Saarabstimmung zu entwickeln. Und selbst die Explosion wird zu einem Fanal der Gleichgültigkeit der Mächtigen gegenüber den Arbeitern und zu einer Metapher der Ausbeutung. Gezeigt werden die Versuche verschiedener gesellschaftlicher Gruppen – beispielsweise der Kirchen, der verschiedenen politischen Parteien, der Internationale Arbeiterhilfe – , das Unglück für ihre Zwecks zu instrumentalisieren und politischen Nutzen herauszuschlagen. Bei den Hilfsaktionen zeichnet sich vor allemZerstoerung in Neunkirchen nach  Gasometerexplosion der junge linksgerichtete, aber parteilose Arbeiter Werner aus. Aus dem Volksempfänger eines zerstörten Hauses hört er die Stimme Hitlers. Er fasst den Entschluss, ein Attentat auf Hitler zu begehen, falls er – gerade Reichskanzler geworden – zur Beerdingung der Opfer nach Neunkirchen kommen sollte: „Dann sollen die im Reich erleben, was die Arbeiter an der Saar fertig bringen.“ (40) Das Attentat redet ihm Hermann, Mitglied der KPD aus – weil das isolierte Vorgehen der Parteidoktrin zuwiderläuft. Hitler erscheint schließlich auch nicht zur Beerdigung. Die Reichsregierung ist vertreten durch seinem „Steigbügelhalter“ von Papen und Minister Seldte. Die Beerdigung wird zu einer Demonstration des konservativen Lagers: „Drei Regierungen entfernten sich von den Särgen von siebzig Proleten. Die Leichen waren zu Grabe getragen und mit ihnen – so hofften sie alle drei – die Empörung der Arbeiter. Sie gingen zurück an ihre Arbeit. Monsieur Paganon zur Revision ins Saarbrücker Bergwerksamt. Mister Knox in sein Saarbrücker Schloß ... Herr von Papen ins Gebäude der Regierungskommission, wohin er die gesamte Saarpresse eingeladen hatte ... Der Kampf um die Saar trat in seine letzte und heftigste Phase.“ (41)



„Der Fall Gross blieb übrigens ohne Nachspiel“

Ähnlich wie Gustav Regler hat Bernt Engelmann (1921-1994) aus einer gesellschaftspolitischen Perspektive heraus ein Neunkircher Ereignis zum Gegenstand eines Textes gemacht. Schon im Titel „Der König von Saarabien“ (42) steckt Zündstoff. Ausgehend von einem exemplarischen Einzelschicksal übt Engelmann Kritik bernt_engelmannan dem autokratisch-patriarchalischen Unternehmertum wie es Freiherr von Stumm-Hallberg vertrat. Dessen gesellschaftlicher Führungsanspruch wird nicht nur deutlich im Aufstieg in die „Aristokratie“ der Gründerjahre, in seinen intensiven Beziehung zu Wilhelm II, sondern auch in Errichtung einer repräsentativen „Residenz“ auf dem Saarbrücker Hallberg, also genau dort, wo zuvor die Saarbrücker Fürsten zu feiern pflegten. Berüchtigt ist sein Anspruch, die Arbeiter nicht nur in der Arbeit, sondern auch im Privaten einer rigiden Kontrolle und Disziplinierung zu unterwerfen. Die „Kompensationsleistung“ Stumms bestand in einer betrieblichen Wohlfahrtspolitik, in der Einrichtung einer Kleinkinder- und Hüttenschule, in einer Kranken-, Invaliden-, Witwen- und Waisenversicherung, in Prämien und Förderung des Wohnungsbaus. Dass dieses „System Stumm“ aber auch seine Opfer forderte, davon handelt die authentische Geschichte des Neunkircher Arbeiters Johann Gross (26), der 1900 die 19jährige Kellnerin Franziska geheiratet hatte, ohne vorher die notwendige Genehmigung Stumms einzuholen. Während einer Befragung in der Personalabteilung versuchte Gross zunächst die Ehe zu leugnen, was ihm den Vorwurf aufrührerischen Verhaltens einbrachte. Mit weiteren Verdächtigungen trieb man Gross schnell in die Enge. So wurde ihm die Lektüre des „Neunkircher Tageblatts“ vorgeworfen, einer gemäßigt, bürgerlich-liberalen Zeitung, die Stumm allerdings seinen Arbeitern untersagt hatte. Selbst eine Sympathie mit Sozialdemokraten und Freidenkern wurde ihm unterstellt. Da Gross aufmuckte, wurde er fristlos entlassen. Die Konsequenzen waren verheerend: keinerlei Einkommen, Verlust des Schlafplatzes, kaum eine Chance, anderswo wieder Arbeit zu finden. Die aussichtslose Situation verschlimmerte sich noch durch die Entlassung Franziskas. Verzweifelt machten sich beide zu Fuß auf den Weg Richtung Völklingen, um dort zunächst bei den Eltern Franziskas Unterschlupf zu finden. Allerdings kamen sie nicht weit. Unterwegs wurden sie von einem Gendarmen „wegen Landstreicherei“ aufgegriffen und nach Neukirchen zurückgebracht. Während Franziska verhört wurde, erhängte sich Johann Gross in der Arrestzelle, in den man ihn eingesperrt hatte. Niemand der Beteiligten wurde jemals zur Verantwortung gezogen. Gross galt der „aufrührerischen Umtriebe“ für überführt und die „Akte Johann und Franziska Gross konnte geschlossen werden. Der Gendarm erhielt Befehl, weiter so wachsam zu sein“ (43)

Engelmann kontrastiert das tragische Schicksal der Neunkircher Arbeiters mit der Schilderung eines exquisiten Diners im Hause der Stumm. Die erlesene Gesellschaft speist nicht nur ausgezeichnet, sondern hört auchSchloss Hallberg Saarbrücken einen pathetischen Vortrag zu einem aktuellen Thema: „Die soziale Frage im 20. Jahrhundert“. Deren Lösung wird – wie könnte es im Hause Stumm anders sein – in die Hand des Unternehmers gelegt und in einen national-konservativen Kontext gestellt: „Die Unternehmerschaft“ heißt es da „muss die Arbeiter, denen es vielfach noch an der nötigen Einsicht mangelt, zu Opferwilligkeit und Gehorsam, zu Zucht und Ordnung, zu Kaisertreue und Gottesfurcht anhalten...“ (44) Mag man heute auch über die zu plakative Gegenüberstellung vom armen Proleten und dem selbstgefälligen Bourgeois die Nase rümpfen, so geht die Rechnung dennoch auf: Die Sympathie für den Entrechteten, den Ausgebeuteten kann man sich als Leser nicht entziehen.

Der König von Saarabien“ gehört zu einer ganzen Sammlung von Texten, die Engelmann unter dem Titel „Die goldenen Jahre“ zusammengefasst hat. Sie alle beruhen auf Tatsachen. Die Erstausgabe erschien 1968, was nicht unerheblich ist. Es war die Zeit der „Studentenrevolte“, der zunehmenden Politisierung der Gesellschaft und auch der Literatur. Engelmann ging es in erster Linie um die Relativierung des in den 60er Jahren in vielen Köpfen noch lebendige Mythos von Deutschlands „glücklicher Kaiserzeit“ unter Wilhelm II, der „guten alten Zeit“. Und es ging ihm um die Propagierung und Popularisierung einer neuen Geschichtsschreibung, einer „Geschichte von unten“, einer Sozial- und Alltagsgeschichte der kleinen Leute. Die Geschichte des Neunkircher Arbeiters Johann Gross konnte erst nach diesem Perspektivenwechsel erzählt werden.

 

Von einer "Traumfahrt" und einer traumhaften Karriere
Neunkirchen, die Industriestadt, hat nicht nur Literaten angezogen, sondern hat auch Autoren hervorgebracht. Von zweien sei hier die Rede: von Kristian Kraus und Walter Rilla.

Unsere Heimat entsteht in der `Traumfahrt´ in all ihrer Rauheit und Schönheit“

Kraus_bronzeKristian Kraus wurde am 27.2. 1880 in Neunkirchen geboren, er starb im hohen Alter 1970 in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Er hat sich als Dramatiker, Erzähler, Kritiker und Herausgeber einen Namen gemacht. Nach dem Besuch des Progymnasiums in Neunkirchen absolvierte er – der Vater war Kaufmann – eine kaufmännische Lehre in Köln. Nachdem er das Abitur nachgeholt hatte, studierte er in München und Berlin Germanistik, Literaturgeschichte, Philosophie und Geschichte. Während des ersten Weltkrieges war er u.a. Leiter der Nachrichtenstelle der deutschen Botschaft in Konstantinopel. In Berlin gründete er 1930 einen eigenen Verlag und Nachrichtenagentur, den „Deutschen Matern Verlag“, in dem u.a. eine Casanova-Ausgabe und der „Decamerone“ von Boccaccio erschienen sind. 1939 wurde der Verlag gleichgeschaltet und in den Deutschen Nachrichtendienst eingegliedert. Kraus wurde zwangspensioniert und erhielt später Schreib- und Veröffentlichungsverbot. Nach dem 2. Weltkrieg war er Rezensent und Theaterkritiker bei der „Bonner Rundschau“. Während seiner Tätigkeit als Verkehrsdirektor in Bad Neuenahr nahm er seine schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. (45)

Von einigem lokalhistorischen Interesse ist die 1911 im Bonner Albert Ahn Verlag erschienene „Traumfahrt“, „ein Werk von Heimatkunst, ureigenster und reinster Heimatkunst“, wie schon ein Rezensent 1911 in der „Neunkircher Volkszeitung“ resümierte. Außerdem ist dort zu lesen: „Unsere Heimat entsteht in der „Traumfahrt“ in all ihrer Rauheit und Schönheit, im ganzen Ernste ihrer Herbheit wie im Vollglanz ihrer ganzen – darf man sagen „romantischen“? – Eigenart“ (46) Der Protagonist der Traumfahrt ist Walter Lohmann, ein Künstler und „glühender Idealist“, der in Neunkirchen im Schatten der Hochöfen und Fördergerüste und im Rauschen des Kohlewaldes an der Blies aufwächst. Eine tiefe Erschütterung übt das Redener Grubenunglück auf ihn aus, das Kraus nach Dechen verlegt. Auch Lohmanns Vater findet den Grubenunglueck Denkmal Foto Christoph M FrischTod. Mit Pathos und expressionistischer Methaphorik wird die Schlagwetter-Explosion, Mittelpunkt und dramatischer Höhepunkt des ersten Romanteils, geschildert: „Da schrie auf der Straße jemand: „Der Dechenschacht brennt, schlagende Wetter!“ Und die Sirene heulte und schrie es nach, ihre schrille Stimme flog über die Stadt, rüttelte an den Dächern, gelte in die Fenster hinein, und ein Teufelsgelächter höhnte dazwischen: Heraus! Heraus! Du Weib: Dein Mann liegt im Schacht verbrannt, verkohlt! Das Wetter schlug!“ Nur ein Schrei gibt ihr Antwort: „Heraus, Du Mutter, Deine Söhne stürzten in brennende Gase – verkohlt! Heraus, Du Vater! Heraus ihr unmündigen Kinder, heraus ihr Knaben und Mädchen, heraus! Greise, ihr gebeugten Mütter, heraus ihr lebenskräftigen Weiber, ihr arbeitsgehärteten Männer! Heraus ihr alle, heraus, die Wetter durchbrausten die Schächte und schlugen eure Ernährer. Heraus! Heraus!“ Und die gellende Stimme sprang von Dach zu Dach, von Fenster, und stürzte von der Stadt nach den Dörfern, im Waldgebirge auf den Höhen, und sie schrie und heulte, und die Menschen fuhren tobend auf, und das gelle Geschrei betäubte ihren Sinn.“ (47) Schon der Rezensent von 1911 wies auf Schwächen des Romans hin, wie beispielsweise die poetisch-metaphorisch aufgeladene Sprache, das Fehlen sozialpolitischer Aspekte und die oberflächlich bleibenden Milieuschilderungen.

Lohmann verlässt schließlich Neunkirchen und wird in Berlin Gymnasialzeichenlehrer. Allerdings verliert er seine Staatsstelle, weil er Kontakte zu einem angeblichen Anarchisten hat, der am „roten Sonntag“ erschossen wurde. Da auch die heimatliche Unterstützung ausbleibt, gerät Lohmann in eine schere Krise, die noch durch die unglückliche Liebe zu Leonore gesteigert wird. Eine spätere Wiederbegegnung mit der inzwischen verheirateten Geliebten endet in einer furiosen Traumsequenz, in der sich Traum und Realität aufs Engste verweben.



Der Gentleman aus Neunkirchen“

Mit zwölf Jahr hielt man ihn für einen musikalischen Wunderknaben, doch dann schlug er einen anderen Weg ein, wurde Journalist, Herausgeber, Dramaturg, Schauspieler und Regisseur, debütierte schließlich auch als rillaSchriftsteller. Die Rede ist hier von Walter Rilla, der 1894 in Neunkirchen geboren wurde. (48) Zwei Jahre später kam hier auch sein Bruder Paul (1896-1954) zur Welt, dem eine nicht minder glänzende Karriere als Publizist, Kulturchef der Berliner Zeitung, Lessing-Herausgeber und nach 1945 als namhafter Literaturkritiker in der DDR gelang. Es handelt sich also um zwei große Söhne der Stadt, die allerdings zu kurz in Neunkirchen lebten, um wirkliche Wurzeln zu schlagen. Schon sehr früh verließen sie zusammen mit ihren Eltern – der Vater war Regierungsrat in Diensten der Reichsbahn – die Stadt. Die Schule besuchte Walter Rilla – von dem hier vornehmlich die Rede sein soll – in Elberfeld und Königsberg. Von seinen vielseitigen Interessen zeugt sein Studium der Philosophie, Literatur, Sprachen und Kunstgeschichte in Königsberg, Breslau, Lausanne und Berlin. Breslau wurde schließlich auch zur ersten beruflichen Station, hier sammelte er publizistische Erfahrungen und stieg kurz nach dem ersten Weltkrieg zum Feuilleton-Chef der „Breslauer Neuesten Nachrichten“ auf. In dieser Zeit begegnete er auch dem Autor Max Tau, in dessen Lebenserinnerungen „Das Land, das ich verlassen musste“ (1961) ein kleines Porträt überliefert ist: „ Unvergeßlich bleibt mir Paul Rilla, damals Feuilletonchef der größten Breslauer Zeitung, ein Mann mit durchdringendem Blick und einem erstaunlichen Wertgefühl für das Echte. Er gehörte zu jenen Feuilletonredakteuren, die sich für die Kultur mitverantwortlich fühlten, keinen Kampf scheuten und auch allein stehen konnten, wenn sie einem Dichter den Weg bereiteten.“ (49) Zwischen 1919 und 1921 gab er in Berlin die ehrgeizige Kulturzeitschrift „Die Erde“ heraus, in der die erste Riege deutscher Schriftsteller publizierte: Johannes R. Becher, Heinrich Mann, Klabund, Ernst Toller und Alfred Wolfenstein. Auch dem Dadaismus stand die Zeitschrift politisch wie literarisch nahe.

Nach ersten Rollen in Stummfilmen – u.a. „Hanneles Himmelfahrt“ nach Gerhard Hauptmann und „Der Geiger von Florenz“ mit Elisabeth Bergner – startete Rilla eine zweiter internationale Karriere als Dramaturg, Schauspieler und Regisseur. Engagements hatte er in Berlin, Paris, Wien, Rom und London. 1933 verließ er zusammen mit seiner jüdischen Frau Deutschland und begab sich ins Londoner Exil und erhielt er als einer der ersten Emigranten die englische Staatsangehörigkeit. In England arbeitete er nicht nur für den Film, sondern verstärkt auch für das Radio, insbesondere für das Hörspiel, das immer mehr an Bedeutung gewann. Zwischen 1939 und 1945 war er Produzent und Regisseur in der Hörspiel- und Drama-Abteilung der BBC und spielte in verschiedenen Filmen mit. Nach dem Krieg waren seine Arbeitsschwerpunkte vor allem die zwei Medien, die immer mehr Bedeutung gewannen: Rilla wirkte nicht nur in vielen Hörspielen mit, sondern als Regisseur und Schauspieler auch bei vielen Fernsehproduktion in England und nach der Rückkehr aus dem Exil auch in Deutschland. Gleichzeitig gelang es ihm, sich als freier Schriftsteller zu etablieren. Zusammen mit seiner zweiten Frau, der Schriftstellerin Alix du Frenes – seine erste Frau, Theresa Klauaner, war in London 1948 gestorben – galt er als bekanntes Schriftstellerpaar. In der Literatur sah er mehr als im Film seine eigentlich Domäne, auch wenn er noch in den 50er Jahren als Grandseigneur in machen Filmen zu sehen war, beispielsweise in den „Bekenntnissen des Hochstablers Felix Krull“ (1957) und in „Das Mädchen Rosemarie“ (1958). Zu seinen bekanntesten Buchveröffentlichungen in den 50er Jahren zählten die „Seeds of time“ (dt. Saat der Zeit, 1955), Die Ohnmacht des Herzens“ (1956) und „Herrlich wie am ersten Tag. Eine europäische Reise“ (1957). Zu vielen Schriftstellerkollegen hielt er Kontakt, korrespondierte mit Thomas Mann und Carl Hauptmann, war mit Heimito von Doderer befreundet, engagierte sich nach dem Krieg für das Werk seines erblindeten Freundes Karl Otten.

Seinen Roman „Saat der Zeit“ bewertetet Rilla selbst als eines seiner Hauptwerke. Selbstbewusst kündigt er Hanns Arens den zunächst in englischer Sprache erschienenen Roman an: „Mein Verleger und seine Lektoren sind so enthusiastisch, wie ich es noch nie von einem Verleger erlebt habe („a masterpiece“ ...) und er kündigt bereits für nächstes Jahr zwei neue Bücher von mir an“. Weiter heißt es: „Es sieht so aus (und ich bin darüber sehr glücklich) als ob ich endlich, nach vielen Umwegen, wieder dahin zurückgekehrt sein, womit ich angefangen habe und wohin ich gehöre: der Literatur (wenn es auch jetzt die englische, und nicht mehr die deutsche, ist).“ (50) „Saat der Zeit“, ein mit „großem Einfühlungsvermögen gestalteter Frauenroman“, wie es im Klappentext der deutschen Ausgabe von 1955 heißt, schien den Geschmack der 50er Jahre getroffen zu haben. „Walter Rillas Roman“, schrieb der Literaturkritiker Arnold Künzli in der „National-Zeitung“, Basel, ist ein auf eine samten-zarte Art faszinierendes und von einer unsäglichen Wehmut erfülltes Buch“ (51). Auch Thomas Mann zollte Respekt.

Zweimal noch hat hat Walter Rilla nach dem Krieg das Saarland besucht: 1963 für einige Wochen anlässlich von Fernsehaufzeichnungen, 1973 um an einer Hörspielproduktion mitzuwirken. Vielleicht hat er dabei auch seiner Geburtstadt einen Besuch abgestattet. Näheres ist leider nicht bekannt. Als Walter Rilla 1980 in Rosenheim – nach den Exiljahren lebte Rilla in Bayern – starb, war in einem Nachruf an den „Gentleman aus Neunkirchen“ zu lesen: „Die intellektuelle Prägung war es sicher, die ihn nie zu einem großen Schauspieler werden ließ, doch hatte er bis in sein höheres Alter hinein jenen touch eines geradezu jugendlichen Gentleman ... Ein Herr durch und durch“. (52)

 

Epilog
M
it der Stillegung der Hütte hat sich Neunkirchen aus der Literatur verflüchtigt. Die dramatischen Jahre des Strukturwandels haben ihre Autorin oder ihren Autor nicht oder noch nicht gefunden. Das Interesse, das Goethe, Roth, Regler, Dill und Engelmann der Stadt entgegenbrachten, ist an die Existenz der Hütte geknüpft. Sie gab der Industriestadt ihr Gesicht und Gepräge, sie war ihr energetisches Zentrum, sie erzeugte Glanz und Elend. In ihr manifestierte sich Aufstieg und Scheitern, Prosperität und Arbeitslosigkeit, Arbeit und Brot, aber auch Wolken aus Ruß und Staub, die Roth schon beklagte. Es war diese riesige Maschine inmitten der Stadt, in der sich die Widersprüche des Industriezeitalters verdichteten. Heinrich Kraus (geb. 1932) hat noch einmal kurz von der Stillegung im „Neunkirchener Psalm“ darauf Bezug genommen:

Schweißdunst schleicht lautlos im Schatten,
und Atem stinkt nach Tabak und Schnaps.

Gasfackeln beißen ins Dunkel des Himmels,
Maschinen stampfen auf bebendem Grund.

Auf zum nächtlichen Feste der Arbeit!
Fluchend nahn sich die schmutzigen Tänzer.

Strecke dich weithin ins Grau deiner Gassen,
Rußschwarz streu dir ins Haar!

Zum Schall der Sirenen jauchze dein Lied,
aufbäum dich im Rhythmus der Hämmer! (53)

 

Neunkirchen HüttenstadtHalten wir uns abschließend noch einmal ans Konkrete: Joseph Roth hat sich etwas abschätzig über die Neunkircher Buchhandlungen geäußert, indem er auf die Bevorzugung illusionistischer Literatur in der Auslage hinwies. Was er allerdings verschwieg, war die Vielzahl der Buchhandlungen oder Geschäfte mit einer Buchabteilung. In den Gründerjahren „boomten“ auch sie. Die älteste war die 1854 gegründete Buchbinderei und Buchhandlung Didiér, 1868 folgte die Buchhandlung Michael Kallert, 1980 die Buchhandlung Zickwolf, die erste reine Buchgeschäft, 1886 die Buchhandlung Ludwig Schubert und schließlich 1900 die Bahnhofsbuchhandlung Lorenz Raber. 1902 und 1903 kamen noch zwei konfessionelle Buchläden hinzu. Daneben brachten auch Leihbüchereien Lesestoff unters Volk. Seit 1862 die Werksbücherei des Eisenwerkes, die natürlich einer strengen Zensur unterstand, seit 1874 der Borromäusverein und schließlich 1914 die Bücherei des Volksbildungsvereins.

Bei einem heutigen Streifzug unter literarischen Aspekten durch Neunkirchen würde man schnell feststellen, dass sich im Bereich der Buchhandlungen wie überall ein Konzentrationsprozess vollzogen hat. Man würde mit etwas Glück in der Irrgartenstraße das Haus finden, in dem Goethe bei seinem Besuch in Neunkirchen abgestiegen ist, vielleicht auch das Grab von Pustkuchen in Wiebelskirchen. Nach einer Gedenktafel an einem der Häuser, in dem Dehmel gewohnt haben könnte, würde man sich allerdings vergeblich umschauen. In der städtischen Bücherei im Herzen der Stadt könnte man sich mit Lesestoff versorgen und vielleicht würde man schließlich auf einem Veranstaltungshinweis der Neunkircher Kulturgesellschaft aufmerksam werden, die sich in regelmäßigen Veranstaltungen um Lesungen und Literaturforen bemüht. Zusammen mit einer Arbeitsgemeinschaft aus Stadtbücherei, Buchhandlung König und Sparkasse Neunkirchen werden regelmäßig im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Literaturpodium“ Autorenlesungen in der Stummschen Reithalle durchgeführt. Von überregionaler Ausstrahlungskraft sind die „Neunkircher Literaturtage“, die die Kulturgesellschaft mit Unterstützung durch die Kulturgesellschaft und beraten von Ludwig Harig seit 1996 alle zwei Jahre durchführt. 2000 waren sie dem Dichter Johannes Kühn gewidmet, 2002 Uwe Timm und seinem neuen Roman „Rot“. So bleibt Neunkirchen auch heute noch seiner überraschend reichen literarischen Tradition verpflichtet

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Anmerkungen

(1)
Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meister Wanderjahre, Buch 3, Kap. 13, Ausgabe letzter hand 1829, zit. nach: Ders., Sämtliche Werke, Bd. 8, München 1977 (=unveränderter Nachdruck der Artemis-Gedenkausgabe, Zürich 1943), S. 460.

(2)
Goethe war ein früher Verfechter der Langsamkeit, der Beschleunigung des Industriezeitalters und dem immer schneller werdenden technologischen Fortdschritt stand er skeptisch gegenüber. Vgl. hierzu: Manfred Osten: „Alles velofizerisch“ oder Goethes Entdeckung der Langsamkeit, Frankfurt a. M.. und Leipzig.

(3)
Justinus kerner, Unter dem Himmel (1845) und Gottfried Keller, Erwiderung auf Justinus Kerner´s Lied: Unter dem Himmel, in: Markus Krause (Hg.), Poesie & Maschine. Die Technik in der deutschsprachigen Literatur, Köln 1989, S. 33ff.

(4)
Johann Wolfgang Goethe, Dichtung und Wahrheit, 2.Teil, 10. Buch, in: Sämtliche Werke, a.a.O., S. 459.

(5)
Es wäre sicherlich reizvoll, den Weg, den Goethe mit seinen Gefährten zurückgelegt hat, zu rekonstruieren und als Kulturwanderweg in ein „Netzwerk der Industriekultur“ zu integrieren.

(6)
Johann Wolfgang Goethe, Ebenda, S. 463.

(7)
Ebenda, S. 464

(8)
Ebenda, S. 466

(9)
, S. 243)

(10)
, S. 248

(11)
Vgl. hierzu Ralph Schock, Johann Friedrich Pustkuchen, in: Saarländische Lebensbilder, Bd. 3, hrsg. V. Peter Neumann, Saabrücken 1986, S. 119ff.

(12)
Zit. n. Ralph Schock, Ebenda, S. 145

(13)
Ebenda, S. 127

(14)
Hans Gerhard Gräf, Goethe über seine Dichtungen, 1. Teil: Die epischen Dichtungen, Bd. 2, Darmstadt 1968, S. 987 ff

(15)
Dehmel, Brief an Franz Oppenheimer, zit. n. Ralph Schock, Richard Dehmels Aufenthalt in der Hüttenstadt (1884/85), in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, hrs. V. Jürgen Karbach und Wolfgang Laufer im Auftrag des Historischen Vereins für die Saargegend e.V., 31. Jg. 1983, S. 84. Hier und im folgenden beziehe ich mich auf den Aufsatz von Ralph Schock, der aufgrund neuer Brieffunde den Aufenthalt von Dehmel in Neunkirchen nach dem Versuch von Binz in den zwanziger Jahren entscheidend erhellt hat.

(16)
Brief an Oppenheimer, zit. nach Ralph Schock, Ebenda, S. 84

(17)
Richard Dehmel Archiv (RDA), Hamburg, D 1347, zit. N. Ralph Schock, Ebenda, S. 87

(18)
Ebenda, S. 87

(19)
Saarbrücker Zeitung, 24.2.1926, Leserbrief nach einem Rechercheaufruf von Binz, zit. n. Ralph Schock, Ebenda, S. 87

(20)
Saarbrücker Zeitung, 24.2. 1926, zit. n. R. Schock, Ebenda, S. 90

(21)
Saarbrücker Zeitung , 7. 2. 1926, zit. n. R. Schock, Ebenda, S. 91)

(22)
Karin Erkel, Liesbet Dill (1877-1962). Eine saarländische Schriftstellerin, in: Frauenleben – Frauen leben. Zur Geschichte und Gegenwart weiblicher Lebenswelten im Saarraum (17.-20. Jahrhundert), eingeleitet und herausgegeben von Eva Labouvie, St. Ingbert, 1993, S. 155

(23)
Ebenda, S. 156

(24)
vgl. auch Günter Scholdt, Liesbet Dill, in: Lebensbilder, S. 224

(25)
Liesbet Dill, Brief an Sudermann, zit. nach Karin Erkel, „Saarbrücken habe ich von jeher als meine eigentliche Heimat betrachtet.“ Die Schriftstellerin Liesbet Dill (1877-1662), in: Die Saarbrückerinnen. Beiträge zur Stadtgeschichte, hrsg. Von Annette Kleinhorst, Petra Messinger, unter Mitarbeit von Hilde Hoherz (= Geschichte, Politik und Gesellschaft, Bd. 2, Schriftenreihe der Stiftung Demokratie Saarland), S. 315

(26)
Liesbet Dill, Virago, 1913, S. 27-28

(27)
(Joseph Roth, Briefe aus Deutschland, mit unveröffentlichten Materialien und einem Nachwort herausgegeben von Ralph Schock, Blieskastel 1997, S. 105

(28)
Joseph Roth, Ebenda, S. 64-65

(29)
Joseph Roth, Ebenda, S. 65f.

(30)
Joseph Roth, Ebenda, S. 68

(31)
Joseph Roth, Ebenda, S. 98)

(32)
Joseph Roth, Ebenda, S. 87)

(33)
Joseph Roth, Ebenda, S. 69-70

(34)
Joseph Roth, Ebenda, S. 90

(35)
Joseph Roth, Ebenda, S. 94

(36)
Joseph Roth, Ebena, S, 95

(37)
Gerhard Schmitt-Henkel, Gustav Regler, in: Lebensbilder, S. 188

(38)
Gustav Regler, Im Kreuzfeuer, S. 293

(39)
Gustav Regler, Ebenda, S. 293/294

(40)
Gustav Regler, Ebenda, S. 299

(41)
Gustav Regler, Ebenda, S. 323

(42)
Bernt Engelmann, Der König von Saarabien, in: Die goldenen Jahre. Die Sage von Deutschlands glücklicher Kaiserzeit, München 1984, Erstausgabe 1968

(43)
Bernt Engelmann, Ebenda, S. 52

(44)
Bernt Engelmann, Ebenda, S.49

(45)
Einige Hinweise verdanke ich Astrid Schomers: Saarländische Literatur der Arbeitswelt. Kommentierte Bibliographie und Typologie (Magisterprüfung) o.J., Saarbrücken (Maschinenschriftliches Exemplar im Stadtarchiv Neunkirchen)

(46)
Heinrich Grein, Neunkircher Volkszeitung, Nr. 221, 27.Jg. v. 21.9.1911

(47)
Ebenda

(48)
Ein Teil des Nachlasses der Brüder Paul und Walter Rilla wurde von der Universität Siegen angekauft. Informationen zu Walter Rilla auch im Stadtarchiv Neunkirchen, Sammlung Varia, Nr 3 (Zeitungsausschnitte, Rechercheergebnisse). Einige Briefe werden im Schiller-Nationalmuseum – Deutsches Literaturarchiv aufbewahrt. Hinweise auf Rilla jüngst auch bei Sabine Graf, Über die Dächer flieg ich hinaus ins Land, Blieskastel 2002, S. 122ff.

(49)
Max Tau, Das Land, das ich verlassen musste“, zit. N. Sabine Graf, a.a. O., S. 122

(50)
Brief an Hanns Arens v. 8.3. 1954, Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N., Bestand A: Arenns

(51)
Klappentext der deutschen Ausgabe von 1955

(52)
Mudrich, Saarbrücker Zeitung, o. Datumsangabe, Zeitungsausschnitt in Archiv Neunkirchen, Sammlung Varia, Nr. 3

(53)
Heinrich Kraus, Neunkirchener Psalm, in: Haltestellen. Gedichte, Saarbrücken 1978, S.19)

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Die historische Aufnahmen zu diesem Artikel wurden den IKA vom
Bildarchiv des LPM zur Verfügung gestellt.
© LPM 2010
Foto Stummdenkmal, Reden Denkmal und J.F.Pustkuchen-Portrait Christoph M Frisch
© 2009
EBB aller Bilder dieses Artikels für die IKA Christoph M Frisch
2009-2010