Stichwort: INDUSTRIEKULTUR

aus dem Vorwort, Denkmäler saarländischer Industriekultur:

 

Buch_Cover... Naturwissenschaft und Technik, Industrie und Handel haben Orte, Landschaften und Lebensbedingungen im 19. und 20. Jahrhundert stärker verändert als alles menschliche Wirtschaften je zuvor. Sie prägten die Arbeits- und Alltagswelt und führten nach „Unordnung und frühem Leid" zu höchstem Wohlstand und zu einer ungeahnten individuellen Freiheit und sozialen Mobilität. Die Maschine gab dieser Epoche ihren Namen:
das Maschinenzeitalter, die Industrie ihrer Kultur: die Industriekultur.

Die eigentlichen Denkmäler dieser Epoche sind neben den großtechnischen Anlagen der Eisenverhüttung, der Stahlerzeugung und der Gruben vor allem die Werkssiedlungen, Arbeiterhäuser und Industriellenvillen, aber auch die technischen Leistungen in den Bereichen des Verkehrs, der Energie- und Wasserversorgung.
Sie sind materielle Zeugnisse der durch die industrielle Revolution' im 19. Jahrhundert ausgelösten Umwälzungen, sie entfalteten die Grundlagen der modernen Industriegesellschaft.

Die epochale Bedeutung dieser Denkmäler ist mittlerweile unbestritten. Sie gehören genauso zum kulturellen Erbe wie Burgen, Schlösser, Kirchen und Bürgerhäuser. Denkmalschützer und Historiker haben sich ihnen in den letzten beiden Jahrzehnten verstärkt zugewandt. In England, Frankreich, Belgien, Luxemburg, den USA wie auch in der Bundesrepublik — hier insbesondere in Nordrhein-Westfalen — bemüht man sich um die Erhaltung und Neunutzung stillgelegter Industrieanlagen und hat längst Museen der Industriegeschichte gegründet. Weniger spektakulär sind bisher die Erfolge im Saarland, wenngleich Rainer Slotta eine erste, zu wenig bekannte Übersicht technischer Denkmäler schon in den 70er Jahren zusammengestellt hat.

In einer Phase der strukturellen Krise und einer dritten Industriellen Revolution  in der die Bedeutung der Schwerindustrie weiter schwindet und eine Reihe schwieriger sozialer Probleme zu lösen sind, ist der Bestand dieser Zeugnisse gefährdet. Da wir sie als wichtige Ressourcen weiter nutzen können und sie brauchen als anschauliche „Erinnerungsmale", sollten wir sorgfältig jeden einzelnen Fall prüfen und nach neuen ökonomischen und kulturellen Nutzungsmöglichkeiten suchen...

Armin Schmitt, Denkmäler saarländischer Industriekultur, Hgb.Staatl. Konservatoramt Saarbrücken, 2. Auflage 1994, Vorwort